BREMEN - Anlass der Ausstellung ist eine Universitätskonferenz. Eine Goethe-Rose ist zu sehen.

Von Thomas Kuzaj

BREMEN - Versteinertes Eis aus Deutschland. Weißer Rotwein aus Italien. Ein Rentier aus Spanien. Unmöglich? Wer weiß das schon. Unerhört? Auf jeden Fall. Und deshalb haben all diese Sachen Platz im „Museum der Unerhörten Dinge“.

Dieses Museum erzählt nicht unbedingt Geschichte, wohl aber Geschichten. Es ist für gewöhnlich in Berlin-Schöneberg zu finden, gegenwärtig jedoch in Bremen. Denn es ist mit seinen Exponaten zu Gast im Schaumagazin des Focke-Museums: Auf roten Samttüchern werden die unerhörten Dinge hier präsentiert. So ziehen sie sich wie ein roter Faden durch die gut 1000 Exponate aus der bremischen Geschichte.

Anlass des bis zum 12. Juni dauernden Gastspiels ist eine internationale Universitäts-Konferenz über Kunst- und Kulturvermittlung im Focke-Museum. Zu den Referenten zählt Roland Albrecht. Er ist Fotograf, Künstler und Direktor des „Museums der Unerhörten Dinge“.

Unerhört: Sein Haus, so sagt Roland Albrecht, ist das „meistbesuchte Museum in Berlin“ – wenn man als Maßstab die Besucherzahl pro Quadratmeter nimmt. Das Museum ist 20 Quadratmeter groß, das Depot weitere 20 Quadratmeter.

Da ist das Schaumagazin des Bremer Focke-Museums viel größer. Die Exponate sind nach alphabetisch geordneten Sammelbegriffen sortiert – von A bis Z. Eine Struktur, die viele Möglichkeiten für Assoziationen lässt, weiß Direktor Jörn Christiansen. Und so konnte Roland Albrecht seine 50 unerhörten Ausstellungsstücke auf spielerische Weise einfügen. An jedem Exponat hängt ein Text, den der Besucher lesen soll. Das „Museum der Unerhörten Dinge“ versteht sich auch als „literarische Wunderkammer“.

Bei „H“ wie „Handeln“ zum Beispiel findet der Besucher nun die „Goethe-Rose“ – eine versteinerte Rose aus Karlsbad, die der Dichter nach Italien mitgenommen haben soll. Unter „E“ wie „Erfinden“ zu sehen: Der Gedankenblitzelektrograph – ein Apparat, der den Einschlag eines Gedankenblitzes auf ein Blatt Papier überträgt. Es handelt sich, so die Legende, um die Erfindung eines Kölner Nervenarztes. Sie wurde 1889 als Patent angemeldet, hat sich aber nie durchgesetzt.

Und so weiter, und so fort. Die originelle, höchst sehenswerte Schau lebt (auch) von der Konfrontation zweier Konzeptionen: Hier die mit wissenschaftlicher Akribie dokumentierten Bremen-Exponate – dort die Ausstellungsstücke mit den unerhörten Legenden. Welches Konzept kommt der Wahrheit näher? Eine spannende Frage. Zumal ja das Focke-Museum in Schwachhausen selbst auch allerlei Gegenstände besitzt, um die sich bremische Legenden ranken.

Mehr Infos unter www.

museumderunerhoertendinge.de