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Ausstellungsprojekt Politik ist im Fußballstadion präsent

Thomas Kuzaj

BREMEN - Politik hat im Fußballstadion nichts zu suchen? Das mag mancher sich wünschen, die Realität aber sieht anders aus. Politisches ist dort durchaus präsent, und oft in hässlicher Ausprägung – diskriminierende Rufe, Schmähgesänge, Extremismus.

Der Umgang mit Diskriminierung im Stadion aber hat sich verändert, wie jetzt in der Unteren Rathaushalle zu sehen ist. Wurde vor Jahren noch gern weggeschaut und weggehört – Politik hat im Stadion ja nichts verloren –, so wird heute oft genau hingeguckt und auch reagiert. Das verlangt Zivilcourage.

Ausstellung an 200 Orten

Zu verdanken ist dieser Mut unter anderem Ausstellungsprojekten wie „Tatort Stadion“. Das „Bündnis aktiver Fußballfans“ (BAFF) entwickelte diese Ausstellung im Jahr 2001. Seither wurde sie an fast 200 Orten gezeigt. Nun gibt es eine Fortsetzung. „Tatort Stadion 2“ feiert in Bremen Premiere. Die Ausstellung wurde am Freitagabend eröffnet. Bis zum 29. April bleibt sie in der Unteren Rathaushalle. Als Ausrichter ist in Bremen die Arbeitsgruppe „Werder-Fans gegen Diskriminierung“ dabei.

Auf einer ganzen Reihe von Stelltafeln geht es um das, was außerhalb des Spielfelds für Aufregung sorgen kann – Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Antiziganismus, Homophobie. „‚Tatort Stadion 2‘ will informieren sowohl über alltägliche Diskriminierung und Neonazi-Aktivitäten als auch darüber, was Fans dagegen tun“, heißt es in einer Ankündigung.

Die Tafel-Texte gehen ins Detail und beleuchten auch Phänomene, die auf den ersten Blick nicht zum eigentlichen Themenfeld der Schau zu passen scheinen. Ein Beispiel ist der „Party-Patriotismus“, der mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland aufkam.

Alles harmloser Fanmeilen-Spaß in Schwarz-Rot-Gold? Vielleicht auch nicht. „Diesen Einschätzungen widersprechen Ergebnisse der von Wilhelm Heitmeyer geleiteten Langzeitstudien des Bielefelder Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung“, heißt es auf einer der Tafeln. „Die These eines positiven Nationalstolzes, der nicht zu einer Abwertung anderer Nationen, Ethnien oder Gruppierungen führe, sei ‚gefährlicher Unsinn, ein Stück Volksverdummung‘.

Die Studien zeigen, dass Befragte nach der WM ‚nationalistischer eingestellt‘ waren als früher.“

Veränderung

An anderer Stelle wird sorgsam dokumentiert, was sich – etwa in Bremen – im Umgang mit Rechtsextremen im Stadion geändert hat, seit Fans (und Verein) genauer hinschauen: „Mittlerweile wird die klare Haltung gegen Neonazis und Diskriminierung im Stadion nicht nur von der Vereinsführung des SV Werder mitgetragen, sondern von weiten Teilen der Fanszene.“

Die Ausstellung „Tatort Stadion 2“ öffnet täglich von 12 bis 19 Uhr. Bei Werder-Spielen schließt sie 90 Minuten vor Anpfiff. Während sie nachmittags für alle Besucher offensteht, werden vormittags Führungen für Schulklassen angeboten.

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