Bremen - Zum sechsten Mal fand am Montag auf dem Bahnhofsvorplatz ein offenes Essen für alle statt. Damit sollen Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen miteinander in Kontakt gebracht werden. „Gemeinsames Essen verbindet und hilft, soziale, kulturelle und religiöse Barrieren zu überwinden“, findet die Schirmherrin, Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Sie ließ sich von einem Mitarbeiter ihres Ressort bei der offiziellen Eröffnung vertreten.

Inspiriert wurde die Aktion „Brücken bauen – Offenes Essen für alle“ von der internationalen Bewegung der „Community Dinners“ („Gemeinschaftsessen“). Deren Ziel sei es „in öffentlichen Räumen die Vielfalt der Gesellschaft zu feiern, das Wir-Gefühl zu stärken und Fremdartiges als Bereicherung zu erleben“, sagte ein Ressortsprecher.

Nach außen wirkte das Open-Air-Erlebnis nicht ganz so einladend. Die vielen freiwilligen Helfer werkelten zwischen Müllgefäßen und – wie könnte es in Bremen anders sein – abgestellten Rädern. 30 Meter weiter bevölkerten die üblichen Verdächtigen den Bahnhofsvorplatz, tranken Alkohol und kommentierten lautstark das Geschehen. Etwa 20 Biergarnituren standen bereit, um dort Platz zu nehmen. Was auch viele Menschen taten. Nur der Kontakt verschiedener gesellschaftlicher Schichten funktionierte augenscheinlich nicht so recht. Die Gäste waren vornehmlich Obdachlose und Bedürftige. Nicht umsonst wurde per Mikrofondurchsage auf ein bestehendes Alkoholverbot hingewiesen.

Die Helfer waren mit großem Eifer bei der Sache. Kuchen wurde ausgeteilt, Kartoffeln wurden geschält. Ausgestattet mit Lebensmitteln von der Bremer Tafel und den Suppenengeln kochten Barbara Stadler und Jan-Philipp Iwersen insgesamt 400 Portionen Essen: Rindfleisch-Curry mit Kartoffeln und – vegetarisch – Bratnudeln mit Gemüse. „Wir sind etwas asiatisch angehaucht“, erklärte Stadler – weil die gespendeten Lebensmittel und Gewürze dazu passen. Ein bisschen ist das für sie wie bei ihren „Herdbesuchen“ des Radio-Bremen-Regionalmagazins „Bunten un Binnen“; dort muss sie aus dem, was Kühlschrank und Keller hergeben, etwas Tolles zaubern.

Nebenan werkelten die „Barber Angels“. Der bundesweit tätige karikative Verein verschafft Obdachlosen und Bedürftigen eine Frisur. Die Mitglieder sind alle Friseure – und einmal im Monat auf eigene Kosten für unentgeltliche Haarschnitte unterwegs. In Bremen hat Concettina Michaelis ein „Chapter“ gegründet. „Es gibt den Menschen ihr Lächeln zurück“, sagt ihr Mann Manfred Michaelis über das Projekt. Wie dem Mann, der in diesem Moment Concettina ein paar Cent in die Hand drückt. „So ganz umsonst sollen Sie es ja doch nicht machen“, sagt er.