BREMEN - Im Standesamt Mitte, meldete jetzt SPD-Innensenator Ulrich Mäurer, „läuft wieder alles normal“. Anfang des Jahres waren in der Sterbeabteilung „katastrophale Verhältnisse“ öffentlich geworden, für die Mäurer auch jetzt keine Erklärung findet. Mit 260 Sterbeurkunden war man im Verzug, im Schnitt dauerte es vier Wochen, bis das Dokument vorlag.
Ohne Sterbeurkunde ist eine Beerdigung oder Einäscherung unrechtmäßig. Wenn dennoch bestattet wurde, sagt Christian Stubbe, Vorsitzender des Bestatterverbandes Bremen, dann deshalb, weil es über Jahre hinweg eine entsprechende Vereinbarung gegeben habe. Ohne die Zuarbeit der Bestatter hätte es im Amt „schon viel eher so chaotische Zustände gegeben“, so Stubbe. Auch bei Anträgen auf Namensänderung und Eheschließungen gab es demnach zuletzt lange Wartezeiten.
In den vergangenen Monaten wurden zeitweise vier Pensionäre reaktiviert, um die Rückstände aufzuarbeiten. Mäurer persönlich verabschiedete sie am Mittwoch wieder in den Ruhestand. Für die Zukunft sollen die zwei vorhandenen Stellen mit zunächst eineinhalb verstärkt werden, von denen eine lediglich wiederbesetzt wird. Weitere Stellen sind ausgeschrieben.
Harte Kritik übte Mäurer am Mittwoch an seinen SPD- und CDU-Amtsvorgängern: Die Situation im Standesamt Mitte sei im Innenressort „über Jahrzehnte verschlampt“ worden. Die Behörde war, ehe sie vor rund zwei Jahren ins Stadtamt eingegliedert wurde, unmittelbar den jeweiligen Innensenatoren unterstellt. Und die ließen das historische Gebäude an der Hollerallee verfallen, so Mäurer. Nun wird das Gebäude für 2,5 Millionen Euro total saniert, das Amt muss für zwei Jahre in die Schillerstraße umziehen.
