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NWZonline.de Region Bremen

Stolberg bereut und hofft auf Bewährungsstrafe

09.03.2018

Bremen Jetzt sind die Richter gefragt. Nach mehr als zwei Jahren Verhandlungsdauer haben die drei Berufsrichter und zwei Schöffen der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Bremer Landgerichts nun eine Woche Zeit, um in dem Mammutverfahren um den Zusammenbruch der Bremer Beluga-Reederei ein Urteil für den angeklagten ehemaligen Reeder Niels Stolberg sowie drei weitere mitangeklagte Reedereimanager zu sprechen.

Genau eine Stunde dauerte am Donnerstag der vorletzte Prozesstag, an dem die vier Angeklagten das letzte Wort hatten, nachdem zuvor die Verteidiger der drei mitangeklagten Beluga-Mitarbeiter ihre Plädoyers gehalten hatten.

„Ich bereue meine Fehler zutiefst“, erklärte der inzwischen in Oldenburg lebende Ex-Chef der Beluga-Reederei. Seit mehr als sieben Jahren verfolgten ihn nur schwer zu ertragene Schuldgefühle – und auch sein aggressiver Magenkrebs sei sicher eine Folge der Ereignisse.

Lesen Sie hier alle Artikel zum Beluga-Prozess

Dass er in der Schifffahrtskrise Fehler gemacht habe, die ihm heute unbegreiflich erschienen, tue ihm sehr leid, sagte Stolberg und verwies darauf, dass er in den vergangenen sieben Jahren nahezu alles verloren habe: Sein Unternehmen, seine Reputation und Ansehen, seine Gesundheit...

Die Schifffahrtskrise habe die Beluga-Reederei im Jahr 2009 unvorbereitet getroffen. Das sei sein Fehler und Versäumnis gewesen. Er hätte sich früher auf das Wesentliche konzentrieren müssen. Sein oberstes Ziel sei es gewesen, soziales Unternehmertum zu leben. Deshalb habe Beluga auch unzählige soziale und kulturelle Projekte unterstützt sowie die Nachwuchsausbildung von Seeleuten gefördert. Von dem Beluga-Erfolg hätten auch immer die Schwächeren der Gesellschaft profitieren sollen.

Als es dann um die Bewältigung der Krise gegangen sei, habe er alles versucht, um das Unternehmen mit den zuletzt 400 Arbeitsplätzen allein in Bremen zu retten. Dabei habe er schwere Fehler gemacht, für die er aber auch schon einen hohen Preis habe zahlen müssen.

Die Monate nach dem Beluga-Zusammenbruch seien eine einzige Tortur gewesen. Seit sechs Jahren befinde er sich inzwischen in Privatinsolvenz und sein Ansehen werde wahrscheinlich sein Leben lang zerstört sein.

Sein größter Wunsch wäre, dass das Gericht ihm die Möglichkeit gebe, in ein normales Leben zurückzukehren. Die Ereignisse der vergangenen Jahre mit der sozialen Ächtung seien psychisch und physisch eine extreme Belastung gewesen – und auch seine Krebserkrankung mache ihm stärker zu schaffen als es im Prozess deutlich geworden sei. So sei er nach Ansicht seiner Ärzte eigentlich gar nicht verhandlungsfähig. Die entsprechenden Gutachten habe er aber nicht eingereicht, weil er in dem Prozess für seine Fehler geradestehen wolle. Stolberg schloss sein Schlusswort mit dem Hinweis, er hoffe, „dass das Gericht eine Bewährungsstrafe für angemessen hält“.

Auf Bewährungsstrafen hatten zuvor auch die Verteidiger der drei Mitangeklagten plädiert und auf die Geständnisse und ihre konstruktive Mitwirkung ihrer Mandanten bei der Aufarbeitung des Falls sowie auf die außergewöhnlichen Belastungen durch die lange Verhandlungsdauer verwiesen.

Am kommenden Donnerstag, 15. März, will das Gericht um 14 Uhr die Urteile verkünden.


Lesen Sie ein Spezial zum Thema unter   www.nwzonline.de/beluga-krise 
Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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