BREMEN - Bloß nicht „Schaffermahl“ sagen! Es heißt Schaffermahlzeit. Und jene letzte Silbe, die aus dem Mahl eine Mahlzeit macht, wird im Haus Seefahrt – und natürlich unter den Schaffern – sehr wichtig genommen. Warum das so ist, erklärt Michael Schroiff, der Verwaltende Vorsteher des Hauses Seefahrt: „Eine Mahlzeit ist etwas Schlichtes. Wir legen Wert auf Schlichtheit.“
Stockfisch (15.17 Uhr), Braunkohl (16.27 Uhr), Kalbsbraten (17.14 Uhr): Die Speisen, die am Freitag bei der 465. Schaffermahlzeit in der Oberen Rathaushalle nach einem so strengen wie engen Zeitplan gereicht werden, beschreibt er als „einfach und deftig, aber schmackhaft“. Schließlich handelt es sich bei der Zusammenkunft um, so Schroiff weiter, eine „Solidargemeinschaft“. Das Haus Seefahrt speist 80 Prozent seines Jahresetats aus den Spenden, die bei der Schaffermahlzeit gesammelt werden. Das Haus Seefahrt betreibt in Grohn den Seefahrtshof, eine Wohnanlage für seemännische Mitglieder im Ruhestand und Witwen früherer Seeleute.
An der Mahlzeit im Rathaus nehmen 100 kaufmännische Mitglieder des Hauses Seefahrt teil, die schon „geschafft“ – sprich: die Schaffermahlzeit ausgerichtet – haben. Außerdem sitzen 100 seemännische Mitglieder an der in Form von Neptuns Dreizack aufgebauten Tafel – sowie 100 Gäste aus dem In- und Ausland. In diesem Jahr sind drei Botschafter darunter, acht Wissenschaftler und Bundespräsident Horst Köhler als Ehrengast.
„Die Schaffermahlzeit wird immer internationaler“, sagt Thorsten Mackenthun (Hanseatic Lloyd Reederei). Er ist in diesem Jahr der Erste Schaffer. Zweiter Schaffer ist Kai-Uwe Hollweg (Cordes & Graefe), Dritter Schaffer Johann Christoph Meier (Racke/Eggers & Franke). Sie bezahlen die Schaffermahlzeit – jeder von ihnen trägt ein Drittel der Kosten, und die Posten auf der Rechnung reichen vom Blumenschmuck bis zum Tabak. Was die Gastgeber aufwenden müssen, bleibt traditionell geheim.
