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NWZonline.de Region Bremen

Berühmte Bremerin: 35 000 kamen zu ihrer Hinrichtung

20.12.2017

Bremen Noch heute – knapp 200 Jahre nach ihrem Tod – bespucken Menschen eine bestimmte Stelle auf dem Domshof. Nicht etwa, weil sie keine Manieren hätten, sondern, weil sie ihre Verachtung gegenüber einer Bremer Serienmöderin öffentlich zum Ausdruck bringen wollen. Die Rede ist von Gesche Gottfried.

Gottfried ist wohl eine der bekanntesten Bremerinnen überhaupt, wenn auch im negativen Sinne. Ihr Fall hat die Menschen noch lange nach ihrem Tod beschäftigt. Was hat die Frau, die bei ihren Mitmenschen äußerst beliebt war (viele nannten sie „Engel von Bremen”), dazu getrieben, 15  Menschen mit Arsen zu vergiften? Darunter ihre Ehemänner, ihre Eltern und sogar ihre eigenen Kinder?

Die unbefriedigende Antwort gleich vorweg: Man weiß es nicht. Damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, glaubten Wissenschaftler noch, Straftäter würden bestimmte physiognomische Merkmale aufweisen. Aus dem Grund nahm man unmittelbar nach Gottfrieds Enthauptung mehrere Abdrücke ihres Kopfes, um diesen zu studieren. Selbst in England und Frankreich hatte man großes Interesse an jenen Totenmasken – im Focke-Museum ist eine Kopie einer solchen Totenmaske zu sehen. Das Studium ihrer Kopfform war jedoch, wie man sich denken kann, wenig aufschlussreich. Ob Gottfried aus reiner Habgier getötet hat, weil sie immer wieder Geldprobleme hatte, oder ob sie psychisch krank war – es bleibt spekulativ.

Bleiben wir also bei dem, was wir wissen: Gesche Margarethe Gottfried wird am 6. März 1785 in Bremen geboren. Zusammen mit ihrem Zwillingsbruder wächst sie als Tochter des Schneidermeisters Johann Timm und der Wollnäherin Gesche Margarethe Timm in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 21 Jahren heiratet sie einen wohlhabenden Sattlermeister und bekommt mit ihm fünf Kinder, von denen drei überleben – vorerst.

Ihren Mann vergiftet sie nach rund sieben Jahren Ehe mit Arsen, er ist ihr erstes Opfer. Als Witwe verarmt sie zusehends. Zwischen Mai und September 1815 bringt sie ihre Eltern sowie ihre drei Kinder, die im Alter zwischen drei und sechs Jahren alt sind, um. Sie heiratet 1817 abermals. Ihr zweiter Mann ist ihr langjähriger Liebhaber und Weinhändler Michael Christoph Gottfried. Sie verlangt ihm das Eheversprechen ab, als er bereits von ihr vergiftet im Sterben liegt.

Sie tötet in den folgenden zehn Jahren noch sieben weitere Menschen, bis die immer wieder von Geldnöten geplagte Gottfried schließlich von ihrem Vermieter enttarnt wird. An ihrem Geburtstag, am 6. März 1828, wird sie verhaftet. Knapp drei Jahre verbringt sie in einem damals neu gebauten Gefängnis, der „Ostertorwache“ (heute: Wilhelm Wagenfeld Haus), bis sie verurteilt und schließlich am 21. April 1831 auf der Domsheide hingerichtet wird. Zur letzten Hinrichtung Bremens sollen sich rund 35 000 Bremer auf dem Marktplatz versammelt haben.

Gottfried gilt bis heute als die berühmteste Giftmischerin Deutschlands. Ihre Taten sind unbegreiflich und haben immer wieder Psychologen, Historiker, Literaten und Regisseure beschäftigt. Rainer Werner Fassbinder zum Beispiel verarbeitete ihre Geschichte in seinem Theaterstück und dem gleichnamigen Fernsehfilm „Bremer Freiheit”.

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