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NWZonline.de Region Bremen

Beruf: Fernsehkoch arbeitet jetzt in Uni-Küche

07.08.2019

Bremen Anil Kumar macht das, was andere Väter und Mütter auch machen: Er bekocht seinen Sohn. Allerdings kocht er nicht nur für seinen Nachwuchs, er brutzelt gleich für rund 1400 junge Menschen – als Küchenchef der Jacobs-Universität in Grohn.

Eigentlich ist er immer viel auf Reisen gewesen, für seine eigene Fernsehshow: „Tasty Travels – A Journey Through Cuisines“, hieß Kumars Sendung, mit insgesamt 1000 Folgen, die im arabischen Raum ausgestrahlt wurde. In ihr kochte er mit Ortsansässigen regionale Produkte. Die Show führte ihn unter anderem nach Norwegen, Vietnam und in die Niederlande. Doch das soll nun vorbei sein. „Ich bin kürzlich 50 Jahre alt geworden. Und wir wollten als Familie wieder enger beisammen sein und es ruhiger angehen lassen“, sagt Kumar auf die Frage, warum er nach Bremen gezogen ist. „Meine Tochter will auch hier studieren, meine Frau und ich lernen Deutsch. Wir führen ein ganz normales Leben.“

Von einem „Glücksfall“ für die Jacobs-Uni spricht Jens Dünnbier, Mitglied der Führungsriege der internationalen Universität im Bremer Norden: „Anil Kumar ist nicht nur ein ausgezeichneter Koch, er spricht auch viele Sprachen.“ Dadurch kann der 50-Jährige mit vielen Studenten in ihrer Muttersprache reden.

Aufgewachsen im südlichen Indien, arbeitete er zunächst in Hotels und später auf Kreuzfahrtschiffen. „Die hatten mehr als 3000 Passagiere, die siebenmal am Tag essen wollten“, erzählt Kumar lachend. „Aber das war toll! Ich war jung, wollte die Welt sehen und lernen.“ Die Welt hat er gesehen: In sechs Ländern hat der Koch gearbeitet. Er kennt die arabische, mediterrane und asiatische Küche. Eine der Stationen seiner kulinarischen Reise führte ihn an Bord von VIP-Flügen, auf denen er der Koch des damaligen indischen Premierministers Atal Bihari Vajpayee war. Für Paris Hilton hat er ebenso gekocht wie für Eddie Murphy. Er hatte sein eigenes Restaurant und hat Gründer bei der Verwirklichung ihrer Restaurantprojekte beraten.

Dass er nun für die Studenten der Jacobs-Uni kocht, war nicht geplant. „Das war Zufall und hat sich über einen Bekannten ergeben“, sagt Kumar. Sein Sohn studiert Computerwissenschaften und wohnt auf dem Campus. Kumar verantwortet die Speisepläne in allen vier Colleges an der Privatuni. „Es freut mich, dass ich meine Erfahrungen zum Wohle der jungen Menschen einbringen kann“, sagt er. Sie kommen aus mehr als 100 Ländern. Für sie gibt es einen Mix aus verschiedenen internationalen Speisen, aber auch aus deutscher Küche. Zudem kommen immer wieder frische regionale Produkte auf den Teller, wie kürzlich bei einer Fischwoche mit Seelachs, Rotbarsch und Scholle.

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