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NWZonline.de Region Bremen

Bibliothek: Goethe hinter Gittern

16.02.2018

Bremen Comics, Romane und Klassiker wie Goethe hinter Gefängnismauern: Vor einigen Wochen ist die Bibliothek der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen nach mehrwöchiger Renovierung wieder eröffnet worden.

Die Wände mintgrün, durch große Fenster strömt helles Licht in den rund 50 Quadratmeter großen Raum. 8000 verschiedene Medien stapeln sich in Regalen, im Eingangsbereich preist ein Aufsteller „Neuheiten“ an, hinter einem Tresen nimmt eine Mitarbeiterin Buchreservierungen entgegen. Vieles wirkt wie in einer normalen Bibliothek. Wären nur diese Gitterstäbe nicht.

Ein Stück Normalität

Dass trotz Stacheldrahts, Sicherheitsschleusen und verschlossenen Zellentüren auch ein Stück Normalität im Gefängnis möglich ist, dafür sorgt seit 1974 die hauseigene Bibliothek, die auch mit ihrem Konzept einzigartig ist. Sie ist deutschlandweit die einzige reguläre Zweigstelle einer Stadtbibliothek hinter Gefängnismauern. Dafür wurde sie Anfang 2017 mit dem Bibliothekspreis der VGH-Stiftung ausgezeichnet. Erstmals seit den Arbeiten schauten sich nun Vertreter der „Öffentlichen Versicherung Bremen“ (ÖVB) und der Muttergesellschaft VGH das Ergebnis der von ihnen finanzierten Renovierung an – und waren positiv überrascht.

Besonderes Klientel

Besonders mit Blick auf die viel zitierte Resozialisierung sei ein solches Angebot „immens wichtig“, sagte ÖVB-Vorstand Frank Müller. So könnten Insassen ihren Horizont erweitern und nach ihrer Entlassung potenziellen Arbeitgebern zeigen, dass sie sich trotz Inhaftierung weitergebildet hätten. Natürlich habe man es mit einer „besonderen Klientel“ zu tun, hob Müller hervor, nur hätten auch Insassen es verdient, gefördert zu werden.

Noch vor einem Jahr war das nur im Ansatz möglich, blickte Bibliotheksleiter Andreas Gebauer zurück. Unübersichtlich, wenig Platz und wenig Auswahl, beschrieb er das Bild, das vor der Renovierung vorherrschte. „Die Bibliothek war so, wie eine Bibliothek nicht sein sollte“, fügte Barbara Lison, Direktorin der Stadtbibliothek Bremen, hinzu.

1500 DVDs, CDs und Hörbücher gesellen sich nun zu Tausenden von Romanen und Sachbüchern. Es gibt Kochbücher, Magazine und Fitnessratgeber. Hinzu kommt landestypische Literatur in 16 verschiedenen Sprachen. Für die Einrichtung wurde Inventar aus der Zweigstelle in Gröpelingen genutzt.

Trotz Gefängnismauern habe man die gleichen Ansprüche wie an eine normale Bibliothek, ergänzte Gebauer. 3000 Medien wurden im vergangenen Jahr entliehen. Diese Zahlen seien nur durch die neue Aufteilung, übersichtlichere Anordnung und besseres Equipment der Mitarbeiter möglich gewesen.

Vier Insassen beschäftigt die Bibliothek – auch das soll die Männer auf ihr Leben außerhalb der Haft vorbereiten.

Gebauer führte aus, dass viele Häftlinge vorher nie eine Bibliothek von innen gesehen hätten. Jetzt sagten manche, die kurz vor ihrer Entlassung stünden: „Ich werde nichts vermissen, außer der Bibliothek.“

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