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NWZonline.de Region Bremen

Digitalisierung fordert Sparkasse heraus

12.02.2020

Bremen Ein „zufriedenstellendes“ Ergebnis hat die Bremer Sparkasse im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Das sagte Vorstandschef Dr. Tim Nesemann am Dienstag. Der Jahresüberschuss ist 2019 leicht auf 33,7 Millionen Euro nach Steuern gesunken. 2018 waren es 37 Millionen Euro gewesen. Im Zehn-Jahres-Vergleich liege das Ergebnis „immer noch auf einem guten Niveau“, hieß es. Ausführlich schilderte Nesemann, wie sehr die Digitalisierung das Geschäft verändert.

Von „dramatischen geschäftspolitischen Herausforderungen“ sprach der Sparkassen-Chef. Neben der Digitalisierung nannte er in diesem Zusammenhang „steigende regulatorische Anforderungen“ und die andauernde Niedrigzinsphase. Apropos: Negativzinsen hat die Sparkasse bislang nicht eingeführt. Man brauche die Kundeneinlagen für das Kreditgeschäft.

Die entscheidende Einflussgröße für die Unternehmensstrategie aber sei die Digitalisierung. Zunehmende Dynamik technischer Möglichkeiten und größere globale Vernetzung führen zu hoher Innovationskraft bei kleinen wie großen Unternehmen. Das bringe auch unerwartete Veränderungen bei Produkten und Dienstleistungen mit sich. Nesemann: „Das bedeutet, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens jederzeit zusammenbrechen kann. Einfach dadurch, dass jemand anderes irgendwo auf der Welt eine bessere Idee umsetzt.“ Der Wettbewerb entscheide sich längst nicht mehr durch Größe – „und auch nicht allein durch Geschwindigkeit“. Folglich gelte es, „immer flexibler und schneller“ auf Veränderungen zu reagieren.

Vor diesem Hintergrund sieht sich die Sparkasse Bremen nicht mehr – wie früher – als Anbieter von Finanzprodukten. Stattdessen sei das Unternehmen mit seinen 1 187 Mitarbeitern mitten in der „Transformation zum Finanzvermittler“. Gerade Finanzdienstleistungen seien leicht digitalisierbar. Nesemann: „Durch Vergleichsportale besteht heute ein hohes Maß an Transparenz über die Preise und Leistungen der einzelnen Anbieter.“

Die Sparkasse wolle ihre Kunden nicht von diesen Plattformen fernhalten, sondern sie hier „begleiten“ und beraten. Baufinanzierung, Ratenkredite, Versicherungen – hier tritt die Sparkasse als Vermittler auf. Hinzu kommt die (wachsende) digitale Vermögensverwaltung „Smavesto“.

Im Zusammenhang mit der Transformation des Unternehmens ist auch der Umzug vom Stammhaus an der Brill-Kreuzung in den Neubau im Technologiepark zu sehen. Mit 600 Mitarbeitern will die Sparkasse im Oktober in ihren neuen Verwaltungssitz umziehen; 75 Millionen Euro lässt man sich das kosten. Die Nähe zur Uni soll die (digitale) Innovationskraft fördern, ein „offenes Bürokonzept“ soll das Unternehmen anpassungsfähig machen in einer vom digitalen Rhythmus bestimmten Welt. „Wenn sich unsere Umwelt permanent wandelt, müssen wir selbst auch in höchstem Maße flexibel agieren“, sagte Nesemann. „Wir müssen lernen, so zu denken, zu arbeiten und zu handeln wie unsere Wettbewerber von morgen – und das sind nicht die Banken von heute, sondern Unternehmen wie Google, Apple, Amazon und Start-ups.“ Und: „Die Erfahrung zeigt, dass interdisziplinär zusammengesetzte Teams am besten dazu in der Lage sind, mit Unerwartetem kreativ umzugehen.“

Parallel setzt die Sparkasse weiter auf physische Präsenz – mit 15 Stadtteilfilialen und 15 Zweigstellen. Weil der Brill wegfällt, baut die Sparkasse den Standort Bahnhofstraße für 2,5 Millionen Euro zu ihrer neuen Innenstadt-Anlaufstelle um. Eröffnung: Ende September.

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