BREMEN - Das Jahr 2009 sorgt für Schlagzeilen im Bremer Wirtschaftsleben: Die Häfen vermelden zweistellige Umschlagseinbußen. Die Belegschaft des Transformatorenherstellers „Mdexx“ kämpft um ihre Jobs. Das Mercedes-Werk geht gestärkt aus der Standortrotation des Daimler-Konzerns hervor.
Gesamtumschlag bricht ein
Die Bremischen Häfen schwammen jahrelang auf der Erfolgswelle. Bis im Herbst 2008 die internationale Wirtschaftskrise auch in der Hansestadt einschlug. 2009 ging es abwärts: Der Gesamtumschlag brach von 74,5 auf 62 Millionen Tonnen ein, die Zahl der umgeschlagenen Container sank von 5,4 auf 4,5 Millionen. Minus 17 Prozent. Der Automobilumschlag in Bremerhaven sankt gar um rund 40 Prozent – von 2,03 auf 1,1 Millionen Fahrzeuge. Die Bremer BLG Logistics Group machte dennoch Gewinn. Zehn bis 15 Millionen Euro erwartet BLG-Chef Detthold Aden. 2008 waren es noch 84 Millionen Euro. Aden sagt: „Logistikdienstleister sind konjunkturabhängig.“ Die 5000 Stammarbeitsplätze will die BLG laut Aden auch für 2010 garantieren. Beim Gesamthafenbetriebsverein (GHB),
Personaldienstleister für die Hafenwirtschaft, werden zum Jahreswechsel demgegenüber rund 1000 der 2700 Jobs gestrichen.
Zum Opfer der Wirtschaftskrise wird derweil die Bremer Traditionsreederei „Senator Lines“. Der Mehrheitseigentümer Hanjin aus Korea stellt im Februar den Betrieb ein. Das Unternehmen wird abgewickelt, 171 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Auch beim Transformatorenhersteller „Mdexx“ in der Bremer Neustadt verlieren rund 200 von 470 Mitarbeitern ihren Job.
Noch ein Traditionsunternehmen kommt in Turbulenzen – Transocean Tours schwimmt in die Insolvenz. Der Münchner Finanzdienstleister Premicon übernimmt den Bremer Kreuzfahrtspezialisten. Unter dem neuen Namen Transocean Kreuzfahrten läuft der Betrieb im Schnoor weiter – mit neuem Chef. Die halbe Belegschaft, so heißt es, verliert den Job.
Kurzarbeit wurde in diesem Jahr zum Alltag im Sebaldsbrücker Mercedes-Werk. Die Belegschaft zittert zudem um 2000 Arbeitsplätze. Doch am Ende sind die Bremer einer der Sieger bei der Rotation im Produktionsnetzwerk des Daimler-Konzerns. Die Montage der C-Klasse wird ab 2014 vor allem an die Weser verlagert. Werkleiter Peter Schabert sagt: „Bremen wird zum Kompetenzzentrum für eine volumenstarke Baureihe.“ Die Bremer verlieren mittelfristig große Teile der Produktion des Sportwagens SL ans Sindelfinger Stammwerk. Den Verlust des Edelroadsters bezeichnet der Betriebsrat als dicken Wermutstropfen.
4000 neue Arbeitsplätze
Aufwind verspürt weiterhin die Windkraft durch die Offshore-Industrie. Nutznießer ist Bremerhaven, wo vier der großen Hersteller angesiedelt sind – Weserwind, Repower, Powerblades und Areva Multibrid. 4000 neue Jobs sollen dort entstehen.
Das Raumfahrtunternehmen Astrium bleibt auf der Erfolgsumlaufbahn. Kurz vor Weihnachten glückt der 35. erfolgreiche Start der Trägerrakete Ariane 5 in Folge. Ein in diesem Jahr unterzeichneter Produktionsvertrag über 35 neue Ariane-Oberstufen sichert zudem „die Auslastung für fünf Jahre“, sagt Astrium-Chef Evert Dudok.
Bleibt der Flughafen: Der Airport im Neuenlander Feld zählt für die ersten elf Monate des Jahres rund 2,26 Millionen Passagiere. Das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr.
