BREMEN - Noch ziemlich müde sitzt Desire gemeinsam mit Jessica, Sabrina und Laura am Frühstückstisch des „Schulvermeider-Projekts“ in der Vahr. Desire hat Geburtstag und reingefeiert. Warum sie die Schule früher immer wieder geschwänzt habe? „Es war voll langweilig, den ganzen Tag rumzusitzen und an die Tafel zu gucken“, sagt die 16-Jährige. Nach den Sommerferien soll das anders werden. Dann wird sie mit Jessica, ebenfalls 16 Jahre alt, an eine Bremer Schule mit hohem Praxisbezug wechseln.
Auf den Neustart in den Schulalltag bereitet sie „Das Projekt“, ein Schulprojekt der Integrierten Stadtteilschule an der Carl-Goerdeler-Straße, vor. Lehrerin Karin Gartelmann, Sozialpädagogin Gudrun Spies-Piotrowski und Praktikantin Nicole Kremer leiten und begleiten die Teenager in dieser Orientierungsphase.
Die Räume am Jugendfreizeitheim Bispinger Straße wirken freundlich und aufgeräumt, auch wenn gegenüber der Küche englische Grammatik die große Tafel füllt. Die kleine Gruppe von maximal acht Jugendlichen schafft Vertrauen. Es gibt klare Regeln und wer sie ignoriert, fliegt raus. Zurzeit sind fünf Mädchen in der Gruppe. Während der morgendlichen gemeinsamen Mahlzeit gebe es Gelegenheit, Sorgen und Nöte mitzuteilen und „den Kopf frei zu bekommen“, so Gartelmann. Danach folgen zwei Unterrichtsblöcke.
Der Schulstoff sei nur eine Säule, auf der die Hilfe fußt. „Unser Ansatz ist, zu motivieren und den Jugendlichen Selbstvertrauen zurückzugeben“, erläutert Gartelmann. Die Ursache für das Schwänzen liege meist in familiären Umständen und persönlichen Problemen, die die 12- bis 15-Jährigen drückten, ergänzt Spies-Piotrowski. Sind die Ursachen gefunden, würden realistische Ziele zur Bewältigung gesteckt.
Der „Schultag“ beinhaltet viel praktische Verantwortung und Organisation. Die Aufgaben reichen vom Frühstücksdienst bis zu echten Jobs in der Schülerfirma. Hier arbeiten die Schulvermeider beispielsweise als Haushaltshilfe oder im Catering-Service. Besonders die praktischen Arbeiten kommen gut an.
