Bremen - Bremen ist die fahrradfreundlichste Großstadt im Norden. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten „Fahrradklima-Test“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hervor. Das Sicherheitsgefühl und die Freude am Radfahren seien aber bundesweit zurückgegangen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Radverkehr mit gesetzlichen Änderungen attraktiver und nutzerfreundlicher machen. Er kündigte am Dienstag Vorschläge für eine Novelle der Straßenverkehrsordnung bis Pfingsten an.
Für das Stimmungsbarometer wurde zum Beispiel gefragt, ob Radfahren Spaß macht oder eher Stress bedeutet und wie sicher sich Radler fühlen. Viele Trends wertet der ADFC als ernüchternd. So gehe die Zufriedenheit beim Radfahren zurück: Mit der Schulnote 3,9 war der Wert schlechter als in den Jahren 2014 (3,7) und 2016 (3,8). Das Sicherheitsgefühl fiel auf die Note 4,2 zurück. Zwei Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 3,9. Selbst die Sieger unter den Großstädten erhielten von Radfahrern keine besseren Gesamtnoten als eine Drei.
Sicherheit sinkt, Unzufriedenheit steigt
„Bei uns klingeln die Alarmglocken, wenn wir sehen, dass Radfahrerinnen und Radfahrer sich nicht sicher fühlen“, sagte ADFC-Bundesvorständin Rebecca Peters. Deutschland brauche gute und breite Radwege, die getrennt von stark befahrenen Straßen verliefen. . Deutschlands Radfahrer werden nach einer großen Umfrage immer unzufriedener mit ihrer Situation. Fehlende Radweg-Systeme, ein lascher Umgang mit Falschparkern und ungünstige Ampelschaltungen nehmen vielen Menschen zunehmend die Lust am gesunden und umweltfreundlichen Radfahren.
Nordhorn und Niederlande als Vorbild
Ganz anders im niedersächsischen Nordhorn: Die 50 000-Einwohner-Stadt gibt rekordverdächtige 22,60 Euro pro Kopf für Radinfrastruktur aus. Das nordrhein-westfälische Rees verordnete Tempo 20 im Stadtkern. Karlsruhe wandelte Autospuren in Radwege und Parkplätze in Abstellplätze für Räder um. Zwischen Heidelberg und Mannheim entsteht der erste Radschnellweg, den der Bund finanziert.
„Städte für den Radverkehr zu optimieren dauert keine 40 Jahre“, sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone. „Wenn der politische Wille da ist, kann man in wenigen Monaten Platz für gute Radwege schaffen.“ Im Vergleich zum Nachbarn Niederlande ist Deutschland für den ADFC mit seinen 11 Prozent Radverkehrsanteil Entwicklungsland. Die Niederlande schafften 30 Prozent. Sie begannen aber auch in den 1970er Jahren mit dem Umsteuern. „Wir brauchen hier mehr Mut, den Autoverkehr auch mal auszuschließen“, ergänzt Krone. Auf Deutschlands Straßen rollen mehr als 60 Millionen Kraftfahrzeuge
Von September bis November 2018 erhielt der ADFC für seinen Test Rückmeldungen von rund 170 000 Radfahrern aus ganz Deutschland. Das war eine neue Rekordbeteiligung nach rund 120 000 Antworten bei der vergangenen Umfrage im Jahr 2016. Der „Fahrradklima-Test“ ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer.
