BREMEN - BREMEN/DPA - Die Abgeordneten der Bürgerschaft in Bremen haben Konsequenzen aus dem tragischen Tod des kleinen Kevin gefordert. Die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses dürften nicht in Vergessenheit geraten, forderte der Vorsitzende des Gremiums, Helmut Pflugradt (CDU), am Donnerstag in der Debatte über den Abschlussbericht zum Fall Kevin. Individuelle Fehler und falsche Strukturen in den zuständigen Behörden seien für das Schicksal des Jungen mitverantwortlich gewesen.
„Kevin hatte ein kurzes, qualvolles Leben“, sagte Pflugradt. „Kevin könnte noch leben, wenn nur einer der vielen Beteiligten den Mumm gehabt hätte, mal was zu unternehmen.“ Der zwei Jahre alte Kevin, der unter Vormundschaft des Jugendamtes stand, war am 10. Oktober vergangenen Jahres tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters entdeckt worden. Gegen den Ziehvater ist Anklage wegen Mordes erhoben worden. Er sitzt zur Zeit in einer geschlossen psychiatrischen Abteilung.
Die Bürgerschaft verabschiedete ein Gesetz, mit dem Früherkennungs-Untersuchungen für Kinder künftig stärker kontrolliert werden. Das Gesundheitsamt soll alle Erziehungsberechtigten zu den Vorsorgeuntersuchungen ihrer Kinder einladen. Wenn die Eltern das Angebot trotz mehrerer Erinnerungen nicht wahrnehmen, erfolgt eine Meldung an die Jugendämter. Diese sollen dann prüfen, wie es dem Kind geht.
Eltern sind aber weiterhin nicht verpflichtet, ihre Kinder untersuchen zu lassen. In der Debatte hatte der FDP-Abgeordnete Willy Wedler gesagt: „Was uns heute vorliegt, ist nichts weniger als die schonungslose Aufarbeitung eines der größten Verwaltungsversagen in der Geschichte Bremens.“ Die Abgeordneten wollen parteiübergreifend die Rechte des Kindes in den Mittelpunkt stellen. Nach Ansicht von Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) war das Wohl von Kevins drogenabhängigen Eltern zum Teil höher bewertet worden als das Wohl des Kindes.
