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NWZonline.de Region Bremen

Eine Bestatterin auf Rachefeldzug

19.11.2019

Bremen Ein weißer Sarg steht auf der schrägen schwarzen Bühne. Eine kurze Passage auf der Leinwand suggeriert Meeresidylle. Eine junge Frau sonnt sich. Doch dann Schreie. Menschen ertrinken. Es sind die Eltern der jungen Frau. Ein rätselhafter Auftakt eines „unmoralischen Thrillers“ im Bremer Kriminaltheater: „Totenfrau“ zieht die Zuschauer gleich in ihren Bann.

Das Sterben geht weiter. Die junge Frau mit der tragischen Vergangenheit heißt Brunhilde Blum und ist Bestatterin. Tod ist ihr tägliches Geschäft. Doch der nächste Tote ist ihr Mann, ein Polizist. Er stirbt bei einem Motorradunfall mit Fahrerflucht.

Blums Welt gerät ins Wanken. Dann findet die Bestatterin auf dem Handy ihres Mannes die Zeugenaussage der jungen Dunja, die auf ein ungeheuerliches Verbrechen hindeuten. Auf ein illegales Bordell in einem Luxusrestaurant, auf Menschenhandel und Massenvergewaltigungen. Dunja taucht auf, endet aber schnell als Wasserleiche in irgendeinem Graben.

Zurück zu Blum: Ihr wird klar, dass der Unfall ihres Mannes kein Unfall war. Sie beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Und es kommt, wie es bei einer Frau, die was vom Tod versteht, kommen muss: Blum wird zum Racheengel. Alsbald pflastern nicht nur die „klassischen“ Leichen ihren Weg, sondern auch diejenigen der Männer, die sie zur Strecke und unter die Erde bringt.

Ralf Knapp hat Bernhard Aichners „Totenfrau“ in die Bühnenfassung fürs Kriminaltheater gebracht. Und er serviert dem Publikum ein spannendes Stück mit vielen Rätseln und viel Raum für eigene Interpretationen sowie einer kräftigen Brise schwarzen Humors. Das Stück lebt von den starken Darstellern.

Vivienne Kaarow gibt Blum als zerrissene Frau voller Selbstzweifel – mal nervöses Opfer, immer wieder eiskalte Täterin. Denis Fischer spielt Brunhildes Mann Mark und dessen Kollegen Massimo, der zu Blums Lover wird, aber trotzdem eine zwielichtige Figur bleibt. Ramona Suresh bringt die Leiden der verzweifelten Dunja eindrucksvoll auf die Bühne. Christoph Plünnecke mimt Blums loyalen Mitarbeiter Reza, der das mörderische Treiben seiner Chefin als einziger durchschaut und auch zum Vollstrecker wird.

Und dann ist da Christian Aumer, der die ganze Palette der Bösewichter brillant und ausdrucksstark abdeckt – den selbstverliebten Hotelierssohn, den abartigen Lustmolch, den Eigenbrötler und den Karrieristen, der über – natürlich – Leichen geht. Davon gibt es einige in den knapp zwei Theaterstunden. Einmal rafft es Fischer (als Mark) dahin, dann Ramona Suresh als Dunja. Und Aumer stirbt drei Bühnentode. Besser gesagt: Er wird dreimal gekillt. Und zweimal zerstückelt. Macht irgendwie fünf Opfer. Wenn man Blums Eltern noch dazuzählt ... aber das bleibt eine Hochrechnung. Und es bleiben Fragen offen, weil es nicht alle Fieslinge dahinrafft. Aber das hat ja was – ein halbwegs offenes Ende nach einem weitgehend geglückten Rachefeldzug.

Videopassagen auf der Leinwand sowie eingespielte Sounds und Dialoge halten die Geschichte der „Totenfrau“ in Bewegung. Das spärliche Bühnenbild – mit Sarg, Motorradhelm und zwei Stühlen reduziert die Szenerie auf die starken Charaktere. Gut so. Der Besuch lohnt sich.
 „Die Totenfrau“ steht im Bremer Kriminaltheater im Union-Brauereigebäude an der Theodorstraße zunächst bis Anfang Dezember auf dem Spielplan – und zwar von Donnerstag, 21. November, bis Samstag, 23. November, jeweils um 20 Uhr, am Freitag und Sonnabend, 29. und 30. November, um 20 Uhr, am Sonntag, 1. Dezember, um 18 Uhr sowie am Freitag und Sonnabend, 6. und 7. Dezember, ebenfalls um 20 Uhr.

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