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NWZonline.de Region Bremen

Wie sein Traum von einem besseren Leben platzte

24.01.2020

Bremen /Bremerhaven Überforderte Eltern, Selbstverletzungen, exzessiver Alkoholkonsum: Im Verfahren wegen schwerer Brandstiftung in vier Fällen gegen einen 22-jährigen Mann hat am Donnerstag eine Verwandte des Angeklagten ausgesagt. In der Hoffnung, in Deutschland ein besseres Leben zu führen, war der junge Mann zusammen mit ihr aus Syrien nach Deutschland geflohen. Doch daraus wurde nichts.

Es sollte ein Neuanfang werden, doch dieser endete für den Mann auf der Anklagebank des Bremer Landgerichts. 2015 begann seine Flucht aus Syrien, sie führte ihn über die Türkei nach Deutschland. Zunächst in einem mecklenburgischen Flüchtlingsheim untergekommen, zieht der Mann bald nach Bremerhaven. Das Leid, vor dem er floh, war vorerst beendet – doch neue Probleme kamen hinzu. Vier Wohnungen in Bremerhaven, die der Mann selbst bewohnte, soll er von Januar 2017 bis März 2019 angezündet haben. So lautet die Anklage.

Bislang schwieg er zu den Vorwürfen. Doch eine Verwandte nicht. Sie sagte als Zeugin aus und zeichnete das Bild eines jungen Mannes, der trotz oder gerade wegen der neu gewonnen Freiheiten immer mehr abrutschte.

Alkohol habe er getrunken, dann sei er „ein ganz anderer Mensch“ geworden, berichtet die Frau über mehrere Stunden. Sobald er die Wohnung verlassen habe, „übertrieb er“. Er habe Haschisch geraucht, unter seinem Bett habe sie eine Tüte mit Pillen gefunden. Es kamen Schlägereien hinzu und selbstverletzendes Verhalten, zudem Autounfälle und ausschweifende Partynächte. Manchmal sei er tagelang nicht nach Hause gekommen, so die Zeugin. „Da, wo es Probleme gab, hat er sich reingeschmissen. Seine Eltern waren damit total überfordert“, übersetzte eine Dolmetscherin für die Große Jugendstrafkammer. Vor dieser muss sich der Mann seit September verantworten.

Ob der Angeklagte bei den mutmaßlichen Taten schuldfähig handelte, also einschätzen konnte, dass sein Handeln rechtenwidrig war, darüber entscheidet ein psychiatrischer Sachverständiger. Auf Grundlage seines Gutachtens bestimmt das Gericht über eine mögliche Unterbringung in einer forensischen Klinik. Ob es letztlich dazu kommt, wird sich wohl erst im April entscheiden. Bis dahin hat die Kammer weitere Verhandlungstermine angesetzt. Und ob es letzten Endes auch bei vier mutmaßlichen Taten zur Verurteilung kommt, scheint nach jetzigem Stand eher unwahrscheinlich.

Die Vorsitzende Richterin Andrea Schneider sagte, die Kammer erwäge, zwei Anklagevorwürfe einzustellen. Für die Brände in den Häusern an der Gorch-Fock-Straße im April 2017 und an der Gnesener Straße im Januar desselben Jahres gebe es keine hinreichenden Beweise. Bleiben zwei offenbar gelegte Feuer an der Jahn- und Suhrfeldstraße, die dem Mann zur Last gelegt werden.

Sollte das Gericht ihm die Taten nachweisen können, drohen dem Mann bis zu zehn Jahre Haft.

Mit der Vernehmung weiterer Zeugen soll der Prozess am Mittwoch, 29. Januar, fortgesetzt werden.

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