BREMEN/BREMERHAVEN - Auf UKW-Kanal 16 sind keine Weihnachtslieder zu hören auch nicht an den Feiertagen. Das ständige Rauschen und Knacken auf dem internationalen Notrufkanal ist wenig besinnlich. Trotzdem hört immer jemand zu. Die Welle gehört zu den wichtigsten Informationsquellen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Eine Notfallmeldung auf Kanal 16 könnte auch am Heiligabend einen Seenotkreuzer in Gang setzen.
Schiffsunfälle und Krankheiten auf See und auf den Inseln machen vor den Feiertagen nicht halt. Deshalb ist die Seenotleitung der DGzRS in Bremen das ganze Jahr über rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb besetzt. Ein Adventskranz und etwas Gebäck versüßen die Weihnachtsschichten. An die 20 UKW-Küstenempfangsstationen zwischen Borkum im Westen und der Greifswalder Oie ganz im Osten Deutschlands werden von Bremen aus überwacht. Die Zentrale ortet den Notfall und informiert dann die nächstgelegene Rettungseinheit, erläutert Wachleiter Wilfried Osterhues.
Nicht immer sind es schwere Havarien, die die Seenotretter in Atem halten. Oft melden sich auch Schiffe, die in die Deutsche Bucht einlaufen und Kranke an Bord haben. Auch wenn auf den Inseln und Halligen während der Feiertage medizinische Hilfe nötig wird, laufen die Kreuzer aus. Manchmal werden die Seenotretter auch zu Geburtshelfern. So kam am 3. Dezember Lütt Ole im Bordhospital auf dem Seenotkreuzer Alfried Krupp zur Welt, der die Mutter von Borkum zum Festland bringen sollte.
Nicht alle Einsätze gehen so glücklich aus. Als Weihnachten 2001 ein Flugzeug bei Bremerhaven mit acht Menschen an Bord in die Weser stürzt, sind zwei Kreuzer der DGzRS im Großeinsatz. Das Wasser ist drei Grad kalt. Am zweiten Weihnachts-Feiertag steht fest, dass lediglich eine Frau gerettet werden kann.
Wenn in der kalten Jahreszeit etwas passiert, ist Eile geboten. Im kalten Wasser kann kein Mensch lange überleben. Das macht es dramatischer und wir müssen noch schneller reagieren, sagt Wachleiter Andreas Scholz. Zu diesem Zweck ist an der Küste ein Netz von 54 Stationen entstanden. 185 fest angestellte und 800 ehrenamtliche Seenotretter wechseln sich ab, um rund um die Uhr im Notfall zu helfen.
Vier Männer schieben an Bord des Rettungskreuzers Hermann-Rudolf-Meyer in Bremerhaven über Weihnachten Wache. Die Maschinen des Schiffs werden ständig vorgewärmt, damit der Kreuzer schnell auslaufen kann. Auch in der Weihnachtsnacht läuft in allen Kammern, in der Kombüse und in der Messe Kanal 16. Einen Notruf erkennt man an der Stimmlage Panik hört man sofort heraus, sagt Vormann Andreas Brensing.
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