Bremen - An diesem Sonntag sind 478.000 Menschen im Land Bremen aufgerufen, die Bürgerschaft neu zu wählen. Wer sind die Spitzenkandidaten der Parteien bei der Bremer Wahl? Wir stellen sie kurz vor:
Carsten Sieling (SPD)
Der 60-Jährige ist seit Juli 2015 Regierungschef des Bundeslandes. Sieling bezeichnet sich als „gelernten Bremer“, der nach seinem Umzug in die Hansestadt sofort sein Herz an Bremen verlor. Seit Anfang der 1990er Jahre bestimmte der Sozialdemokrat die Politik in Bremen mit - als Abgeordneter in der Bürgerschaft, als SPD-Landes- und Fraktionschef. Im Bundestag war er Sprecher der Parlamentarischen Linken, als ihn 2015 der Ruf ins Bremer Rathaus ereilte. Für ihn gibt es keinen besseren Job: „Es geht vom Bordstein bis in die EU-Kommission in Brüssel. All das ist Handlungsfeld eines Bürgermeisters und eben von mir. Das bietet kein Regierungsamt in ganz Deutschland.“ Sieling ist verheiratet und Vater dreier Kinder.
Carsten Meyer-Heder (CDU)
Der Software-Unternehmer (58) ist ein politisches „Greenhorn“. Erst seit gut einem Jahr in der CDU, wählte die größte Oppositionspartei den Quereinsteiger mit 100 Prozent zu ihrem Frontmann auf Listenplatz 1. In Jugendzeiten fühlte er sich eher dem linken Spektrum zugewandt, opponierte als Hippie mit Bart und langen Haaren gegen den Kapitalismus. „Ich bin kein Politiker“, wiederholt er gerne. Doch der in zweiter Ehe verheiratete Vater von drei Kindern will unbedingt als Bürgermeister ins Rathaus und damit eine über 70-jährige Erfolgsserie der SPD beenden.
Maike Schaefer (Grüne)
Die Biologin (47) führt seit 2015 die Fraktion der Grünen in der Bürgerschaft. In der Urabstimmung über die Spitzenkandidatur setzte sie sich gegen Finanzsenatorin Karoline Linnert durch. Das leitete einen Generationswechsel bei den Bremer Grünen ein. Politisch ist sie in der bequemen Lage, dass die Grünen wohl Königsmacher der nächsten Regierung sein werden. Schaefer wuchs in Hessen auf, promovierte an der Uni Bremen und arbeitete dort als Umweltforscherin. Als Hobby imkert die Mutter eines achtjährigen Jungen. 30 Kilogramm Honig ernteten sie und eine Freundin vergangenes Jahr.
Kristina Vogt (Linke)
Die Vorsitzende der Linksfraktion ist eine der fachlich beschlagensten Politikerinnen in Bremen. Es gibt kaum ein Landesthema, in dem sich die Rechtsanwaltsfachangestellte (53) nicht auskennt. Vogt, geboren in Münster, kam über die Elternarbeit an der Schule ihres Sohnes in die Politik. 2011 wurde sie Abgeordnete und gleich Chefin der Fraktion. Sie hat ihre Partei über die Jahre darauf vorbereitet, in die Regierung zu gehen - Vogt hofft auf Rot-Rot-Grün. Wenn Werder Bremen daheim spielt, ist die 53-Jährige im Stadion. Sie fotografiert gern und hatte mal eine Kneipe im Stadtteil Walle - eine Arbeit, bei der sie nach eigenem Bekenntnis viel für die Politik gelernt hat.
Lencke Steiner (FDP)
Die 33-jährige Diplom-Kauffrau hat die FDP im Jahr 2015 zurück in die Bürgerschaft geführt. In die Partei trat sie erst am Wahlabend ein - die FDP erreichte mit ihr damals 6,6 Prozent. Bei den Liberalen folgte eine Blitzkarriere, direkt nach der Bürgerschaftswahl wurde die Unternehmerin in den FDP-Bundesvorstand gewählt. Mit ihrer lockeren Art und Wirtschaftskompetenz hat die frühere Geschäftsführerin eines Familienunternehmens viele Fans. In den Jahren 2014 und 2015 entschied sie als Jury-Mitglied in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ über Geschäftsideen von Firmengründern. In den sozialen Medien wie Facebook ist Steiner sehr aktiv. Steiner ist verheiratet, lebt aber von ihrem Ehemann getrennt.
Frank Magnitz (AfD)
Der sechsfache Vater ist seit 2013 Mitglied der AfD. Er sitzt im Bundestag und ist zudem Vorsitzender des Bremer AfD-Landesverbands. Magnitz wird dem rechten Flügel der Partei zugerechnet, der 66-Jährige gilt als Unterstützer von Björn Höcke, der Landeschef in Thüringen ist. Die Bremer AfD sorgte mehrfach mit internem Streit für Aufsehen, es gab einige Parteiausschlussverfahren und juristische Auseinandersetzungen. Magnitz ist Bankkaufmann und Diplom-Pädagoge. Er machte sich als Bauunternehmer selbstständig und arbeitete in der Immobilienverwaltung. Im Januar wurde der 66-Jährige von Unbekannten in Bremen überfallen und verletzt. Die Tat sorgte bundesweit für Schlagzeilen.
Hinrich Lührssen (BIW)
Der 60-jährige TV-Journalist kehrte erst im Februar nach rund einem halben Jahr enttäuscht der AfD den Rücken und wechselte dann zur Wählervereinigung BIW, deren Spitzenkandidat er wurde. Geboren und aufgewachsen in Bremerhaven schrieb er für Zeitungen und arbeitete für zahlreiche öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender. Lührssen ist verheiratet und hat einen Sohn.
