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NWZonline.de Region Bremen

Corona: Kurzarbeit erweist sich als Rettungsanker

09.05.2020

Bremen Die Corona-Krise hat Geld gekostet. Und wird noch viel Geld kosten. Die Situation im Bremer Handwerk mit seinen 131 Gewerken ist heterogen. „Einige Branchen wie die Bau- und Ausbaugewerke haben relativ stabil durchgearbeitet, bei anderen sind die Einnahmen von einem auf den anderen Tag weggebrochen“, sagte Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer, am Freitag in einem Pressegespräch.

Alle Wirtschaftszweige seien von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen, sagt auch Ingo Kramer, Präsident der Arbeitgeberverbände. Das sei der große Unterschied zur Finanzkrise vor zehn Jahren. „Damals hat es zwei Hände voller Branchen erwischt, heute sind maximal zwei Hände voll nicht betroffen.“ Kramer weiter: „Das macht es so schwierig, Veränderungen in Gang zu setzen.“ Die Lockerungen seien notwendig. „Es ist wichtig, wieder Perspektiven zu eröffnen.“ Es gehe darum, wirtschaftliche Zuversicht zu generieren. Kramer hat sie: „Ende des nächsten Jahres werden wir wieder da sein, wo wir vor der Corona-Krise waren.“

Die Unternehmensverbände haben sich am Freitag mit Vertretern der Agentur für Arbeit in Bremen zum „fachlichen Austausch“ getroffen. Kurzarbeit habe sich als Rettungsanker für viele Firmen erwiesen, sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Agentur für Arbeit. „Die Zahlen sind hoch.“ Doch die Kassen der Agentur sind gut gefüllt. „Wir packen das. Die Reserve wird in Anspruch genommen.“ Sie beobachtet nach den ersten Lockerungen des Lockdowns eine „leichte Marktbelebung“. Die „schrittweise Annäherung an den Normalzustand“ werde sich fortsetzen, wenn Gastronomen, Hoteliers und weitere Branchen in den Markt zurückkehren.

Zurück zum Handwerk. Auch hier hilft Kurzarbeit. Und Ideenreichtum. „Not macht kreativ“, so Kurzke. So hat das Schneider-Handwerk seine Produktion kurzfristig umgestellt und zusätzliche Geschäftsfelder entdeckt. Die Glaserei Lenderoth fertigt jetzt vermehrt Trennwände aus Glas sowie „Husten-, Nies- und Tropfenschutz“ (der Begriff „Spuckschutz“ sei markenrechtlich geschützt und dürfe nicht verwendet werden, so Christophe Lenderoth). Und die Firma rüstet Türen auf automatischen Antrieb um. „Das senkt die Infektionsgefahr.“ Schließlich seien Türklinken und Griffstangen ein Sammelplatz für Bakterien und Viren.

Was sich die Handwerksbetriebe zukünftig wünschen, ist eine bessere Informationspolitik. So wurde Stefan Hagens („Hairliners“) von der kurzfristigen Schließungsverordnung quasi kalt erwischt. Er habe damit gerechnet, am Montag (23. März) schließen zu müssen. Doch am Freitag habe die Innenbehörde beschlossen, dass die Bremer Frisöre bereits am Samstag die Schere aus der Hand legen müssen. „Und dann hatte ich Besuch vom Ordnungsamt.“

Noch unklar sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt. Im Frühjahr seien 15 Prozent weniger neue Ausbildungsverträge für das nächste Lehrjahr (ab August/September) abgeschlossen worden, sagte Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Die Zahl sei auf den Gesamtmarkt übertragbar, bestätigte Joachim Ossmann, Chef der Arbeitsagentur Bremen.

Doch das sei nur eine Momentaufnahme. Die Hochzeit der Vertragsabschlüsse beginnt im Frühsommer. Aktuell seien in Bremen 4317 Ausbildungsplätze und 3836 Bewerber gemeldet, sagte Ossmann.

Eine gute Nachricht gibt es auch: Läuft nichts mehr schief, dann werden die Azubis aller Gewerke vor der Sommerpause „abgeprüft“ sein, so Meyer. Bestehen sie ihre Prüfung, steht dem Start ins Berufsleben nichts im Wege.

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