Bremen - „Ich habe noch nie in meinem Leben eine so dramatische und rasante Veränderung der Wirklichkeit mitgemacht.“ Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hat am Mittwoch vor der Bürgerschaft eine Regierungserklärung zur Coronakrise abgegeben. Er dankte all jenen, die „einfach normal weiterarbeiten, damit nicht alles zum Erliegen kommt“.
Leere Ränge, große Abstände auch zwischen Koalitionspartnern und Parteifreunden: Die Bürgerschaft tagte aus Sicherheitsgründen in Messehalle 7 auf der Bürgerweide. Selten war eine Debatte in so großer Einmütigkeit zu erleben. CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp erklärte, seine Fraktion unterstütze das Krisenmanagement des Senats. Die oppositionellen Christdemokraten hätten manches nur in Nuancen anders gemacht. Nicht verstehen kann Röwekamp, dass es noch immer Menschen gebe, die den Ernst der Lage offenbar nicht begriffen hätten.
Bürgermeister Bovenschulte dankte Ärzteschaft und Pflegekräften ebenso wie Verkaufspersonal, Polizisten, Logistikern. „Im Namen des Senats“ versprach er zudem: „Keine Klinik in Bremen wird in der Coronakrise in die Insolvenz fallen.“
Zugleich stellte Bovenschulte die Bremer auf eine längere Zeit der Einschränkungen ein – aber durchaus differenzierte Einschränkungen, nicht so durchgreifend massiv wie jetzt. Allen müsse klar sein: „Wenn die neuen Maßnahmen wirken, dann können wir trotzdem nach Ostern nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren.“ Denn dann „stünden wir in wenigen Wochen wieder genau da, wo wir jetzt stehen“.
Zugleich sei aber auch klar: „Wir können das Land ja nicht in den dauerhaften Ruhezustand versetzen, bis die Wissenschaft einen Impfstoff gefunden hat. Das hält eine hoch entwickelte Volkswirtschaft nicht durch und das halten vor allem auch die Menschen nicht durch.“ Er rechne mit einer Mischung aus schrittweisen Lockerungen, einer Ausweitung der medizinischen Kapazitäten, Fortschritten bei der Behandlung und zielgerichteten Schutz- und Quarantäne-Maßnahmen, bis die Lage sich wieder einigermaßen normalisiert habe.
„Heute aber gilt: Wir müssen die unmittelbaren Kontakte zwischen den Menschen reduzieren. Die Maßnahmen, die wir dazu ergriffen haben, sind in der deutschen Nachkriegsgeschichte beispiellos“, so Bovenschulte. Er lobte, „wie gut sich die Menschen an die Abstandsregeln halten“.
