BREMEN - Warum so viele Menschen am Montag der Einladung zu einer Gesprächsveranstaltung gefolgt sind, so dass der kleine Glocken-Saal ausverkauft war, wusste Gabriela Meyer auch nicht. „Aber es war eine gute Entscheidung“, sagte die Moderatorin.
Einen Abend lang ging es um das Thema „Kopf oder Bauch – wie entscheide ich richtig?“. Der Abend gehörte zur Reihe „Sichtweisen“ von Glocke und Jacobs University, und es war wiederum ein gelungener Versuch, die akademische Diskussion aus beengten Hörsälen in den Alltag zu ziehen. Diesmal waren neben einem waschechten Uni-Professor ein Golf-Spezialist und die deutsch-amerikanische Komödiantin Gayle Tufts dabei.
Andreas Bausch sagte den Gästen erst einmal, worum es überhaupt geht. Der Wirtschaftswissenschaftler hat sich systematisch mit Entscheidungsprozessen beschäftigt und konnte das Thema mit allerlei Theorie unterlegen.
Spannender war das, was auf einer versteckten Ebene abläuft. Bausch nannte es „habitualisierte“ Entscheidungen, die etwa im Sport weitgehend automatisiert ablaufen oder Entscheidungen, die auf unbewussten Einordnungen beruhen. Als Beispiel nannte er den Weltklasse-Violinisten Joshua Bell, der eines Tages im Washingtoner Frühverkehr als heruntergekommener Straßenmusiker geigte. Von mehr als 1000 Passanten blieb kein einziger stehen, obwohl Bells Spiel auch hier Weltklasse war. Täuschen lasse sich mehr oder weniger leicht auch der Verbraucher. Wenn ein Markenprodukt zu teuer erscheine, müsse der Anbieter einfach nur ein vergleichbares Produkt noch teurer anbieten – schon sei das mentale Kritik-Zentrum des Käufers eingeschränkt.
Völlig in der Welt des Praktischen bewegte sich Panos Meyer – als Golfer jemand, der fortwährend mit komplexen Entscheidungen auf dem Grün konfrontiert wird. Er nahm neben Rationalität und Intuition noch die Emotion mit ins Boot. „Man darf sich auf keines der drei Elemente einzeln verlassen“, beschwor er, „die richtige Balance machts.“ Gerade die großen Golfer zeigten, wie man dieses Gleichgewicht halten könne: Sie können sich emotional abschirmen.
Die beiden Dozenten bekamen für ihre Informationen reichlich Beifall. Auch Gayle Tufts wurde lautstark beklatscht. Sie hatte das Thema aus ihrer Bauch-Perspektive betrachtet: „Ich bin sowas von intuitiv. Nachdenken oder eine Nacht drüber schlafen, das kennt man in meiner Heimat ja gar nicht“, bekannte sie. Und sie erinnerte sich an den komplexen Entscheidungsprozess, der in ihr ablief, als sie gefragt wurde, ob sie nach Deutschland gehen wolle: „Nette Männer, günstiges Bier – warum nicht?“
