NWZonline.de Region Bremen

Drogen- und Clankriminalität: Mehr als 20 Haftbefehle im Bremer Kampf gegen Clankriminalität

20.03.2021

Bremen Dank entschlüsselter Chats zwischen Kriminellen sind der Bremer Polizei seit vergangenem Jahr empfindliche Schläge gegen Drogenhandel und Clankriminalität gelungen. Mehr als 20 Haftbefehle seien vollstreckt worden, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes, Jürgen Osmers, am Freitag. Mindestens sechs Verhaftete seien führende Köpfe der Organisierten Kriminalität. Weiter seien eine halbe Million Euro Bargeld, mehr als 60 Autos und 13 Kilogramm Drogen beschlagnahmt worden.

Zehn Immobilien wurden mit Hypotheken belegt, um kriminell erworbenes Vermögen abzuschöpfen. Allein bei einer großen Durchsuchungsaktion am Donnerstagmorgen, der siebten nach Osmers’ Zählung, gingen der Polizei vier Beschuldigte ins Netz.

Sechs Monate geschwiegen

„Wir haben sechs Monate total geschwiegen“, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Nun sei es an der Zeit, Bericht zu erstatten. In der Hansestadt gibt es seit Jahren Probleme mit kriminellen Mitgliedern einiger Großfamilien aus dem Nahen Osten. „Der Drogenhandel gehört mit zur Kernkompetenz dieser Clans“, sagte Mäurer. Bei ihnen habe die Aktion „wie eine Bombe eingeschlagen“. Es sei gelungen, der Hintermänner habhaft zu werden, nicht nur der einfachen Dealer.

Bremen und Bremerhaven: Drogenhandel Hotspots

Den Bremer Fahndern kam zu Hilfe, dass es französischen und niederländischen Behörden im vergangenen Jahr gelungen war, die Chats sogenannter Krypto-Handys zu entschlüsseln. Viele der nach Deutschland übermittelten Daten betreffen das kleinste Bundesland. Bremen und Bremerhaven seien wegen der Häfen ein Hotspot des Drogenhandels, sagte Mäurer. Am Landgericht Bremen läuft bereits ein Prozess gegen eine Drogenhändlerbande, in dem solche dechiffrierten Chats wichtige Beweismittel sind.

Eigene Polizeibeamte verwickelt

Bei den Ermittlungen in Bremen wurden auch zwei eigene Polizeibeamte enttarnt, die Interna an Kriminelle durchgestochen haben sollen. Es handele sich um einen 36-jährigen Beamten und eine 40-jährige Beamtin, sagte Polizeivizepräsident Dirk Fasse. „Beiden habe ich gestern das Verbot des Führens der Dienstgeschäfte ausgesprochen.“ In einem Fall gehe es um Bestechlichkeit, den Verrat von Dienstgeheimnissen, Geldwäsche und Betrug, im anderen Fall um den Verrat von Dienstgeheimnissen.

Zu den Beschuldigten in den Verfahren gehören auch Mitarbeiter von Banken, zu denen die Polizeichefs vorläufig keine Angaben machten.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.