BREMEN - Die Staatsanwaltschaft Bremen ermittelt gegen den ehemaligen Chef der insolventen Bremer Beluga-Reederei, Niels Stolberg, nun auch wegen Untreue. Stolberg soll eine Spende für die von ihm gegründete Beluga School for Life in Thailand veruntreut haben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, am Mittwoch sagte.
Die Stiftung RTL - Wir helfen Kindern e.V. hatte nach einem TV-Spendenaufruf 2009 eine halbe Million Euro auf das Konto der Beluga School for Life überwiesen, die für in Not geratene Kinder ein neues Zuhause bietet. Es war die erste Rate einer Spende in Höhe von einer Million Euro für den Bau und den Unterhalt eines neues Schulgebäudes. Kurz darauf seien die 500.000 Euro auf das Konto einer Tochtergesellschaft der Reederei umgebucht worden, sagte Passade.
Ein im Frühjahr vorgelegtes Gutachten hatte Stolberg vom Vorwurf der Spendenveruntreuung angeblich entlastet. Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Die Beluga School for Life war nach der Tsunami-Katastrophe 2004 nahe dem Badeort Khao Lak von Stolberg gegründet worden. In der Einrichtung leben rund 150 Kinder.
Gegen Stolberg und andere Führungskräfte ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits wegen Betrugs in besonders schwerem Fall und unrichtiger Darstellung. Sie sollen Umsatzerlöse im dreistelligen Millionenbereich falsch ausgewiesen und so Kapitalgeber getäuscht haben. Passade sagte, das Ermittlungsverfahren sei so umfangreich, dass ein Ende und damit eine mögliche Anklageerhebung noch gar nicht absehbar sei.
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