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NWZonline.de Region Bremen

Eisenbahn: Findorffer Wahrzeichen kippt vom Sockel

01.03.2019

Bremen Der Kran hebt sie an. Die Lok löst sich von den Schienen und kippt sichtlich nach links. Ein Raunen ist von vielen Zuschauern zu hören. Mehr als 100 Zuschauer wohnten am Donnerstagvormittag dem Abtransport der Lok zur Restauration nach Bruchhausen-Vilsen bei. Die Kosten der Sanierung belaufen sich auf 40  000  Euro. Ermöglicht wurde sie durch zahlreiche Spender.

Der Kran schwingt in Richtung Lkw. Feuerwehrleute führen die Lok vorne und hinten mit zwei Seilen und stabilisieren sie auch etwas an Metalltrassen unterm Rumpf, mit denen der Kran die Lok anhebt. So gleitet das 15 Tonnen schwere und 120  Jahre alte Schienenfahrzeug schräg und langsam durch die Luft.

Feuerwehrleute und Transportkräfte wirken entspannt. Von der anfänglichen Aufregung ist nichts mehr zu spüren. Der Feuerwehrkran lässt die Lok herab auf ein kurzes Stück Schiene auf dem Tieflader. Die Metallräder setzen gleich richtig auf. Die Lok wird festgezurrt. Die Zuschauer klatschen. Erleichterung ist spürbar.

„Die Lok muss einen außermittigen Schwerpunkt haben, den wir nicht kannten“, sagt Michael Pröschild, Leiter der Transportfirma, die den Kran nach Bruchhausen-Vilsen fährt. Dort wird man das beim Abladen wissen. Der Transport sei relativ einfach, sagt Pröschild. „Das ist kein schwieriger Fall, aber ein interessanter. Die Höhe ist unter vier Metern, wir kommen überall durch. Auch die Länge und die Breite sind unproblematisch.“

Fast zwei Stunden wird vor Ort gearbeitet, bis die Lok auf dem Lkw steht. Die Feuerwehr ist mit einem Fahrzeug mit großer, ausfahrbarer Leiter samt Arbeitsfläche vor Ort. Feuerwehrmänner schneiden einige Meter über dem Boden große Äste ab, damit dem Kran nichts im Weg steht.

Im Bahnhof Bruchhausen-Vilsen wird die Lok vom Deutschen Eisenbahnverein in ehrenamtlicher Arbeit saniert. Schätzungsweise ein Jahr soll es dauern, bis die Lok zurückkommt. Dirk Lonscher (50) aus dem Vereinsvorstand geht von einer Menge Arbeit aus. „Die Witterung hat viele Schäden angerichtet“ sagt er. Im Kessel sind sogar Löcher zu sehen. Ganz in Einzelteile zerlegen werden die Eisenbahnfreunde das historische Fahrzeug aber nicht, denn es wird nicht fahrtüchtig gemacht, sondern für weitere Jahre als Denkmal vorbereitet. „Die Lok muss gut konserviert werden, um sie vor der Witterung zu schützen“, sagt Lonscher.

Auch Feuchtigkeit von innen wird bei der Restauration der Kampf angesagt. „Die Isolierung im Kessel kommt raus. Die hat sich wahrscheinlich mit Wasser vollgesogen.“ Die Arbeit kann auch Erkenntnisse bringen. „Da wir die Lok vor Ort haben, können wir viel in die Dokumentation aufnehmen“, so Lonscher. „Das hat großen Wert für unser Archiv.“

Die Schienen auf dem Sockel sind nun leer, wohl für ein Jahr. Birgit Busch, Vorsitzende des Bürgervereins Findorff, sagt: „Wir gucken noch, ob sich was Kulturelles findet, was man da machen kann.“ Volkmar Lipke (66) sagt: „Seit ich Kind bin, kenne ich die Lok. Sie ist ein Wahrzeichen Findorffs.“

Bis 1954 fuhr die Lok, gebaut um die vorhergehende Jahrhundertwende. Sie gehörte zur Kleinbahn, die von Bremen nach Tarmstedt fuhr. „Sie war zunächst ein Ersatz für die Torfkähne, dann transportierte sie Güter und Menschen und dann Touristen“, sagt der Bremer Feuerwehr-Chef Karl-Heinz Knorr. „Von 1954 bis 1967 wurde sie als Dampfmaschine bei der Firma Gestra in Findorff genutzt.“

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