BREMEN - ie 750 Herren in Frack und Smoking zeigten sich wieder einmal höchst spendabel. Und so wurde das Vorjahresergebnis beim 180. Stiftungsfest der Bremer Eiswette am Sonnabend im Congress Centrum knapp übertroffen. Rund 303 000 Euro werden den Seenotrettern überwiesen, gut 2 000 mehr als ein Jahr zuvor.
Es passte nahezu alles – fulminante Reden, beste Stimmung unter der illustren Gästeschar. Und auch „Wurst und Korn kehrten in alter Form zurück“, wie es Eiswettpräsident Peter Braun formulierte. „Diese Eiswette zählte zu den besten“, sagte Braun gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Und das nicht nur, weil das opulente Mahl – Räucherfisch, Hühnerkraftbrühe, Braunkohl, Rote Grütze zu Weißwein und Bordeaux – vorzüglich schmeckte. Auch die Redner glänzten.
Der Präsident („Regierungen sind endlich!“) lobte ausdrücklich den Notarius publicus Dr. Jan-Martin Zimmermann, der eine Pointe an die nächste reihte und dabei vor allem die Banker ins Visier nahm. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte somit als „Deutschland-Redner“ keinen leichten Stand. Doch er zog sich bravourös aus der Affäre. Und beschränkte sich auf eine analytische Rede mit bedrückenden Fakten. Weber bezeichnete die aktuelle Finanzkrise als Flächenbrand, der aus einem Schwelbrand entstanden sei. Der Banker zeigte sich vorsichtig optimistisch: „Ein Großteil der Probleme liegt hinter uns.“
Auf die nachdenklichen Töne Webers folgte ein „ganz starker Auftritt“ von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Mit seiner Gäste-Rede auf Plattdeutsch „hat er die Stimmungslage voll erwischt, richtig abgeräumt und alle Erwartungen übertroffen“, sagte Braun. So erklärte der Kieler Regierungschef dem britischen Botschafter Sir Michael Arthur ganz nebenbei, dass die englische Sprache aus Dithmarschen stammt.
Für Carstensen gab es stehende Ovationen. Sir Arthur nahm’s mit britischem Humor. Und ein Blick auf die Gästeliste zeugt einmal mehr vom breiten Spektrum aus Politik und Wirtschaft, das sich beim Stiftungsfest versammelte.
