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NWZonline.de Region Bremen

Energiewende: Bürgerschaft holt die Sonne aufs Dach

11.06.2020

Bremen Bestandsgebäuden steigt die Regierung ebenfalls aufs Dach: Auch für sie sollen Photovoltaikanlagen Pflicht werden, wenn das Dach komplett erneuert wird. Allerdings macht Rot-Grün-Rot eine Einschränkung: Die Anlage muss „wirtschaftlich zumutbar“ sein. Das lässt Hausbesitzern zumindest einen kleinen Spielraum. Um die Solardachpflicht sozial verträglich zu gestalten, ist zudem eine Förderung durch die Bremer Aufbaubank vorgesehen.

Neben Gebäuden will Bremen die Sonne auch auf die Überdachung von Parkplätzen, an Fassaden und Freiflächen holen, heißt es im Beschluss der Bürgerschaft. Die Bremer Grünen sprechen bei der von ihnen eingebrachten Initiative von einem „großen Schritt für die Solarenergie und den Klimaschutz im Land Bremen“. Philipp Bruck, klima- und energiepolitischer Sprecher der Grünen, sagte: „Solarenergie wird in Bremen und Bremerhaven mit diesem Beschluss künftig zum Standard. Das ist ein Erfolg für die Energiewende.“

Gute Bedingungen

Die Bedingungen seien gut, so Bruck. Die Preise für Photovoltaikanlagen seien erheblich gesunken. Wer viel von der selbstgewonnenen Solarenergie für die Strom- und Wärmeerzeugung nutze, habe die Kosten schnell wieder raus und werde unabhängiger von der Strompreisentwicklung.

Das Potenzial von Sonnenenergie im Land Bremen sei hoch, so der Grüne. Bisher seien 44 Megawatt Photovoltaikleistung installiert, möglich wären gut 1000 Megawatt. „Damit könnten mehr als 40 Prozent des Bremer Stromverbrauchs gedeckt werden, wenn man die Stahlwerke außen vor lässt“, sagt Bruck.

Die CDU sieht den Zwang zum Solardach kritisch. Sie befürchtet durch die zahlreichen Auflagen beim Hausbau eine weitere Abwanderung ins Umland. Das sieht die Handelskammer in einer Reaktion ähnlich. Sie hält Solardächer zwar grundsätzlich für wünschenswert, macht sich jedoch Sorgen um den Wohnungsbau. „Photovoltaik in einem weiteren Bremer Sonderweg generell bei Neubauten zur Pflicht zu machen, stellt einen baupolitischen Irrweg dar, der deutlich mehr schadet als nützt“, heißt es in der Stellungnahme.

Abwanderung stoppen

Zunächst einmal müsse man Wohnraumversorgung für alle Bevölkerungsschichten in den Mittelpunkt stellen, Wohnneubau zu vertretbaren Preisen ermöglichen und das Abwandern Bremer Familien in das Umland stoppen. Im Jahr 2019 seien lediglich rund 1500 Neubauwohnungen fertiggestellt und Bauanträge für 1265 neue Wohnungen genehmigt worden. „Dies ist weit von den Zielmarken des Senats entfernt“, so die Handelskammer. Sie selbst hält 2500 Neubauwohnungen jährlich für erforderlich.

Sie beklagt, dass Bauen in Bremen „immer teurer und komplizierter“ werde. Die Vielzahl „kostentreibender Bremer Sondervorschriften für Dämmung, Schallschutz, Gründächer, Spielflächen oder Stellplätze“ sorge nicht nur für lange Genehmigungsverfahren, sondern im Vergleich zum niedersächsischen Umland auch für 15 bis 25 Prozent höhere Preise für Wohnungseigentum. Das habe dramatische Folgen – die Stadt Bremen habe in den vergangenen zehn Jahren rund 14 500 Einwohner ans Umland verloren.

Besonders Berufstätige im Alter von 25 bis 65 Jahren ziehe es mit ihren Familien in die Gemeinden vor den Toren Bremens. Der Wanderungsverlust ans Umland habe sich verstärkt und liege inzwischen bei rund 2500 Menschen jährlich. Die steigende Tendenz sei besorgniserregend, so die Kammer, da sich gerade der Fortzug der sozialen Mittelschicht negativ auf die Sozialstruktur Bremens auswirke.

Zudem entgingen dem Bremer Haushalt durch die Abwanderung ins Umland schon jetzt jährlich fast 100 Millionen Euro an Steuern. „Bei anhaltendem Trend wird sich dieser negative Effekt bis zum Jahr 2024 voraussichtlich verdoppeln“, befürchtet die Handelskammer.

Grundsätzlich sinnvoll

Die Handwerkskammer Bremen begrüßt hingegen die Entscheidung des Parlaments. „Um die Klimaziele zu erreichen, sind Solardächer aus Sicht des Handwerks auf Bremer Wohngebäuden grundsätzlich sinnvoll und wünschenswert“, sagte in einer Reaktion Hauptgeschäftsführer Andreas Meyer. Das Handwerk pocht jedoch auf Anreize und finanzielle Unterstützung für Hausbauer.

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