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NWZonline.de Region Bremen

Entwicklung: Wegbereiterinnen bei der Polizei

08.12.2017

Bremen Beim Betrachten der 30 Jahre alten Fotos muss Claudia Winkler schmunzeln. Die heute 51-Jährige gehört zu den ersten Frauen, die 1987 eine Ausbildung bei der Bremer Polizei begannen. „Wir trugen Männeruniformen, der Krawattenknoten saß viel zu tief und von den Männerschuhen bekamen wir Blasen.“ Polizei war seit jeher Männersache. Auf Streife gehen, Diebe dingfest machen, das durften von 1987 an auch Frauen. Neben 19 Männern wurden Ende September 21 Frauen eingestellt. „Es gab schlicht nicht mehr genügend Bewerber“, sagt Polizeisprecher Horst Göbel, selbst seit 1973 bei der Polizei. Im Jahr 2017 sind es in Bremen 631 Frauen, die Streife fahren, bei Demonstrationen für Sicherheit sorgen und in der Mordkommission ihren Dienst tun – laut Polizei ein Frauenanteil von 26 Prozent.

Claudia Winkler war 22 Jahre alt, als sie ihre Ausbildung in Huckelriede begann. Für die jungen Männer im selben Ausbildungsjahrgang seien Frauen normal gewesen, „Aber für die älteren Kollegen in Huckelriede waren wir Exoten, wurden schon ein wenig beäugt“, so Winkler.

Sie und ihre Kolleginnen waren Pioniere, Wegbereiter für die kommenden Generationen von Polizistinnen. Eine abwartende Haltung und Vorbehalte habe es zu Beginn schon gegeben, erinnert sich Horst Göbel. Es sei auch vorgekommen, dass sich Kollegen geweigert hätten, mit Frauen Streife zu fahren. Man habe es sich nicht so recht vorstellen können, dass Frauen auch mit anpacken können, so Göbel. Schnell hätten sie aber mitbekommen: „Doch, sie können.“ Insgesamt allerdings habe es keine deutliche Ablehnung gegeben. Winkler: „Zumindest haben sie es nicht laut gesagt.“ Stattdessen seien sie freundlich und neugierig aufgenommen worden.

Mit verunsicherten Ausbildern musste sich Ina Werner bei ihrem Ausbildungsstart 2008 nicht mehr auseinandersetzen. Auch Vorbehalte habe es ihr als Frau gegenüber nicht gegeben: „Frauen bei der Polizei – das war da schon fest in den Köpfen verankert“, so die Polizistin, die in dem Jahr geboren wurde, als Claudia Winkler ihre Polizei-Laufbahn begann.

Gemeinsam mit Ina Werner im Einsatz- und Streifendienst in der Bremer Neustadt unterwegs ist Jesper Theis. Der 38-Jährige fühle sich mit einem kräftigen Kollegen an seiner Seite keineswegs sicherer als mit seiner weiblichen Kollegin: „Wir sind doch alle gleich ausgebildet.“ Er weiß: Polizistinnen erleichtern teilweise auch die Arbeit, etwa bei geschlechterspezifischen Durchsuchungen.

Anerkennung wünschen sich beide Geschlechter aber eher in einem ganz anderen Bereich: der Akzeptanz von Teilzeitarbeit, etwa nach der Geburt eines Kindes.

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