BREMEN - Steffi fehlt ein Bein. Trotzdem kann die junge Frau Sport machen. Nach der Amputation hat sie Basketball im Sitzen für sich entdeckt – eine Sportart, die im Rollstuhl gespielt wird und die viel technisches Können, eine Menge Koordination und vor allem Kondition erfordert.

Dass Basketball im Sitzen eine besondere Form von Leistungssport für Menschen mit und ohne Behinderung ist, haben die Schüler einer fünften Klasse des Gymnasiums Vegesack am Donnerstag am eigenen Leib erlebt. Dort ist das bundesweite Projekt „Neue Sporterfahrung“ an den Start gegangen. Partner sind der Deutsche Behindertensportverband, der Deutsche Rollstuhl-Sportverband und die Deutsche Telekom. Sie lassen die Schüler an diesem ersten Schultag nach den Ferien nicht nur Basketball im Sitzen spielen. Eine zweite Gruppe begibt sich in eine Welt ohne Licht: Sie spielen Goalball mit verbundenen Augen. Beides sind übrigens paralympische Sportarten.

Es gibt eine kurze Einführung in die Geschichte von Basketball im Sitzen und Goal­ball, dann geht es für die Mädchen und Jungen los: Der größere Teil der Halle gehört den Basketballern. Steffi trainiert den Umgang mit den Schülern. „Wackelt mal richtig mit dem Popo. Merkt Ihr, wie beweglich das Gerät ist?“, fragt die Sportlerin ihre Schützlinge.

Schon nach wenigen Minuten bewegen sich einige Cracks mit ihrem ungewohnten Sportgerät, als ob sie es schon lange benutzten. Drei, vier Jungen spielen zwischen den einzelnen Übungen Rollstuhlkriegen. Dann endlich dürfen sich die Fünftklässler die Basketbälle schnappen – eine Gelegenheit für die zahlreich erschienen Reporter nach dem Gefühl zu fragen. „Das ist echt cool“, gibt ein Mädchen strahlend Auskunft. Ihr Mitsportler hat irgendwie keine Zeit. „Das ist witzig“, ruft er den Erwachsenen zu, während er sich mit Ball und Rollstuhl wieder auf das ungewohnte Sportgeschehen konzentriert. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es ungleich schwieriger ist, den Basketball im Rollstuhl sitzend zu tippen, zu prellen oder zu führen. Die Begeisterung der Kinder spiegelt wider, was Thomas Stephany, Projektleiter von „Neue Sporterfahrung“, herausgefunden hat.

Die Nordbremer Goalball-Schüler sind derweil mit dem Aufwärmtraining durch. Jetzt müssen sie das Bewegen ohne Augenlicht trainieren: Die Mädchen und Jungen tragen lichtundurchlässige Brillen, bilden eine Schlange und greifen dem Vormann auf die Schulter. Nur der jeweils Letzte kann schauen. Er muss die Schlange durch die Halle dirigieren. Das Ziel: Nicht mit den anderen zusammenstoßen oder gegen die Wand laufen.

Erst dann kommt erstmals der Ball ins Spiel: In kleinen Gruppen sollen die Schüler sich den Ball gegenseitig zurollen. Wer den Ball fängt, ruft „Bereit!“. Einer der Jungen hat es schnell begriffen. „Du musst die Ohren spitzen und genau hören, wo der Ball hinrollt“, erklärt er seinem Kumpel: „Nun sei mal ruhig, ich bin dran.“