BREMEN - BREMEN/DPA - Nach dem tragischen Tod des misshandelten Kevin plant Bremen ein Modellprojekt mit systematischen Hausbesuchen bei Risikofamilien. In sozial benachteiligten Wohnquartieren sollen Hebammen und Kinderkrankenschwestern ein Viertel aller Neugeborenen im ersten Lebensjahr besuchen, kündigte Jugend- und Sozialsenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) am Mittwoch an.
Nach ihren Angaben sind jetzt zudem bei sozialen Notfällen ständig Ansprechpartner über ein Kinder- und Jugendschutztelefon erreichbar. Der zwei Jahre alte Kevin war im Oktober 2006 tot im Kühlschrank seines Ziehvaters gefunden worden. Der Junge stand unter der Vormundschaft der Sozialbehörde.
Seit Monaten überprüft ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss Behördenfehler und -versäumnisse im Zusammenhang mit dem gewaltsamen Tod des Kindes. Als Konsequenz aus dem Fall sei insgesamt mehr Personal nötig, betonte die Senatorin bei der Vorstellung eines Konzeptes zur „Verbesserung der Jugendhilfe“.
Der Bremer Senat hatte am Dienstag einen Gesetzesentwurf für verpflichtende Früherkennungs-Untersuchungen von Kindern beschlossen. Falls Eltern dieses Angebot trotz Erinnerung nicht wahrnehmen, sollen Jugendämter nach den Ursachen forschen.
Die Bremer Sozialbehörde hat nach Angaben der zuständigen Abteilungsleiterin keine Erfolgsprämien für die vorzeitige Entlassung von Kindern aus Pflegeheimen gezahlt. Ein derartiges Bonussystem habe es nicht gegeben, sagte die Vertreterin der Behörde vor dem Untersuchungsausschuss. Das Amt habe zwar einen Vertrag mit einem Kinderheim über ein „abgestuftes Finanzierungsmodell zu flexiblen Leistungen“ abgeschlossen. Der Vertrag sei aber nie in Kraft getreten. Kevin war allerdings nicht in dem betroffenen Heim untergebracht.
