BREMEN - BREMEN/LNI/TEHA - Der Untersuchungsausschuss zum tragischen Tod des kleinen Kevin aus Bremen legt nach vier Monaten Zeugenbefragungen und Aktenstudium zwar erst an diesem Freitag seinen Abschlussbericht vor. Dessen Fazit stand aber gestern bereits fest: Der schwarze Peter liegt beim Bremer Jugendamt.

Bei den zahlreichen Befragungen von Polizisten, Sozialarbeitern und Politikern waren vor dem Ausschuss massive Fehleinschätzungen über das Schicksal des Jungen zu Tage getreten. Das zwei Jahre alte Kind, das unter Vormundschaft des Staates stand, war am 10. Oktober vergangenen Jahres tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters entdeckt worden. Am Tag darauf trat Sozialsenatorin Karin Röpke (SPD) zurück.

Nach Bekanntwerden des bundesweit mit Entsetzen aufgenommenen Todes von Kevin wurden schnell massive Vorwürfe gegen die Bremer Sozialbehörde laut. Mehrere Stellen hatten von den Leiden gewusst, die der kleine Junge erdulden musste. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Helmut Pflugradt (CDU), sprach von „organisatorischer Verantwortungslosigkeit“. „Kontrolle ist ein Fremdwort, sie war nicht gewünscht und nicht gewollt“, hatte er bereits einmal seine Eindrücke bilanziert.

Derweil bestätigte die Bremer Staatsanwaltschaft gestern, dass sie heute beim Bremer Landgericht Anklage gegen Kevins drogensüchtigen Ziehvater wegen Mordes, Körperverletzung und Misshandlung einreichen wird. Der Prozess soll noch vor den Sommerferien beginnen.