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NWZonline.de Region Bremen

Fall Latzel In Bremen: Angriffe auf Homosexuelle machen Theologen „zornig“

04.05.2020

Bremen Bremens leitender evangelischer Theologe Bernd Kuschnerus hat biblisch begründete Angriffe auf homosexuell lebende Menschen scharf kritisiert. „Das macht mich richtig zornig“, sagte der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). In einem „Eheseminar“ hatte der Bremer evangelische Pastor Olaf Latzel vergangenes Jahr Homosexuelle unter anderem als Verbrecher bezeichnet. Ihre Lebensweise richte sich gegen die biblisch begründete Schöpfungsordnung.

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Latzel argumentiert, man müsse bibeltreu bleiben. Er bezieht sich dabei auf Stellen wie das Zitat aus dem dritten Buch Mose: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben.“

Nicht bibeltreu

Eine solche Vorgehensweise sei aber gerade nicht bibeltreu, kritisierte Kuschnerus: „Man kann die Bibel nicht so benutzen, und ich sage ausdrücklich benutzen, dass man sich bestimmte Stellen herauszwackt und sie gegen Menschen in Anschlag bringt.“ Olaf Latzel lege willkürlich Vorurteile in die Bibel und gebe das dann als Wort Gottes aus.

Wer das tue, dürfe auch keine Blutwurst oder Muscheln essen und als Mann keine langen Haare tragen, verdeutlichte Kuschnerus. Schon der Reformator Martin Luther habe davor gewarnt, die Bibel als Steinbruch zu benutzen, weil das zu willkürlichen Urteilen führe. Der promovierte Theologe sieht darin den Versuch, „bestimmte eigene Ansichten oder Abneigungen gegen bestimmte gesellschaftliche Gruppen durch die Bibel zu autorisieren, auch um einen Machtanspruch durchzusetzen“.

Zusammenhang sehen

Das sei gefährlich, „übrigens genauso wie die Berufung auf die vermeintliche Schöpfungsordnung, die in ihrer Auslegung durchaus dem Zeitgeist unterworfen ist. Man denke nur an die Sklaverei oder an die nationalsozialistische Rassenideologie“. Alle Aussagen der Bibel müssten in ihrem textlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden: „Das würde bedeuten, dass man nicht einfach heutige Konzepte von Homosexualität auf die Antike übertragen kann – und umgekehrt.“

Außerdem müsse in der Auslegung immer die Mitte der Bibel beachtet werden, die Gnade Gottes. „Wenn man schon vom Gesetz reden will, dann muss man nach diesem Verständnis die Einheit des Gesetzes mit Blick auf die Liebe Gottes und die Liebe zum Nächsten in den Vordergrund stellen.“ Wer dieser evangelischen Theologie folge, dürfe den Glauben nicht in Anschlag bringen, um Menschen auszugrenzen oder über sie als gläubig oder ungläubig, sündig oder nicht sündig zu urteilen. „Dieses Urteil ist allein Gottes Sache.“

Kuschnerus betonte, 75 Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur, in der Homosexuelle verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt und getötet worden seien, müssten die Kirchen diesen Menschen gegenüber eine besondere Sensibilität haben. „Auch deshalb geht es in keiner Weise, dass jemand abwertend, verachtend oder hetzerisch gegen homosexuell lebende Menschen spricht.“ Aufgrund der Diffamierungen ermittelt der Staatsschutz gegen Latzel wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung, kirchliche Mitarbeiter fordern seine Suspendierung.

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