BREMEN - BREMEN/EB - Das Kind wacht mit Fieber auf, die Tagesmutter fällt aus, der Kindergarten ist wegen der Ferien geschlossen – in solchen Situationen können Eltern froh sein, wenn sie in einem familienfreundlichen Unternehmen arbeiten. Die familienfreundlichste Personalpolitik nützt nichts, wenn Abteilungsleiter kein Verständnis für die Probleme ihrer Mitarbeiter haben.

Die Rolle der Führungskräfte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie war deshalb Thema einer Veranstaltung im Klinikum Links der Weser, zu der die Initiative „berufundfamilie“ der Hertie-Stiftung eingeladen hatte. Etwa 150 Fachleute aus ganz Deutschland diskutierten darüber, wie Führungskräfte dafür gewonnen werden können, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Unternehmen zu unterstützen.

„Familienfreundliche Maßnahmen werden oft von der Unternehmensleitung verordnet“, berichtete der Bamberger Soziologie-Professor Laszlo Vaskovics. „Dabei wird leicht übersehen, dass die Vorgesetzten, die solche Maßnahmen in ihren Abteilungen umsetzen müssen, dem Thema eher skeptisch gegenüberstehen.“ Schließlich gelte es immer, die Bedürfnisse der Mitarbeiter auch mit den Anforderungen des Unternehmens in Einklang zu bringen. „Deshalb ist Familienfreundlichkeit in vielen Firmen ein ständiger Kampf um einzelne Entscheidungen, bei denen oft Kompromisse gefunden werden müssen.“ Dennoch habe sich in den vergangenen Jahren viel getan.

Dass es durchaus gelingen kann, Führungskräfte für familienfreundliche Maßnahmen zu begeistern, berichtete Melanie Brauer, die in der Personalentwicklung der Bremer Heimstiftung arbeitet. In Seminaren für Führungskräfte werde das Thema angesprochen. Zudem werde der Austausch der Führungskräfte untereinander gefördert – etwa mit „kollegialen Beratungen“, wenn es Probleme gebe.