BREMEN - Nicht nur der Saal der Glocke war voll besetzt: Auch auf der Bühne blieb kein Quadratzentimeter frei.

Von Alice Bachmann

BREMEN - Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn ein tausendstimmiger Chor von einem Orchester begleitet wird und „Alle Jahre wieder“ schmettert. Kleinere Text- oder Noten-Unsicherheiten gehen ganz unbemerkt in der Masse unter. Und auch der Trick mit dem lautlosen Bewegen der Lippen stört nicht weiter.

Beim Extra-Familienkonzert in der Glocke war nicht nur der Große Saal voll besetzt – auch auf der Bühne blieb kaum ein Quadratzentimeter frei. Denn zu Tschaikowskys „Nussknacker“ hatten neun Klassen der Grundschule Parsevalstraße kleine Tänze und Spielszenen einstudiert, die zu Füßen des Orchesters vorgeführt wurden. Die Bremer Philharmoniker, dirigiert von Florian Ludwig, hatten in ihre Reihen noch Jugendliche aus den Bläserklassen der Gesamtschule Ost aufgenommen.

In der Menge stand Luise Scherf, die sich einen an das „Nussknacker“-Stück angelehnten Text ausgedacht hatte und diesen vorlas. Wobei sie sich wunderbar in einen kleinen, schüchternen Nussknacker einfühlen und dessen Stimmchen annehmen konnte. Selbstverständlich ist tosender Applaus ein Indiz dafür, dass die Veranstaltung gelungen ist. Aber an diesem Adventsabend zeigte sich der Erfolg auch noch ganz besonders in der sehr konzentrierten Stille, die die einzelnen Teile begleitete.

Denn das Publikum bestand ja zum größten Teil aus Verwandten – darunter nicht gerade wenigen kleinen Geschwistern – der Aktiven. Allein die Logistik an der Garderobe, die Sitzplatzsuche und das Stillsitzen während des Einspielens war für viele durchaus eine Herausforderung. So manches Zappelmäuschen brummelte dabei vor sich hin, es wäre jetzt hier langweilig und wann denn endlich die große Schwester ihren großen Auftritt hätte. Doch kaum hatte Luise Scherf mit der Lesung begonnen, wurde es still. Auch die klassische Musik, die wohl nicht so häufig in den Kinderzimmern zu hören ist, fesselte die Kleinen. Aber den größten Eindruck machte der Einfallsreichtum bei den Kostümen – wie etwa die roten Schirme mit weißen Tupfen als Fliegenpilze – und in der Choreographie. Wunderbar gelöst waren die nicht einfachen Aufgaben: Es gab wenig Platz für die vielen Kinder, sie hatten immer nur kurze Auftritte und mussten dann schnell und leise den Bühnenrand für die nächsten freigeben. Und es galt,

alle Kinder einzubeziehen. Zum Beispiel auch jene, deren tänzerische Talente noch recht wenig entwickelt sind. Allerdings wirkte hier die Enge förderlich. Wenn ein kleiner Tänzer einen Fehltritt machte, so kam er immer gleich wieder in den Takt, weil es gar keinen Raum für ungeplante Ausfallschritte gab. Auch die Einteilung stimmte. Nach einer Stunde Konzert wurden noch gemeinsam zwei Lieder gesungen, dann wurde eine lange Liste mit Danksagungen verlesen – und alle zusammen gaben sich verdienten, begeisterten Beifall.

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