BREMEN - Gestalten, formen, Unikate schaffen – Bremens Kunsthandwerker genießen weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen guten Ruf. Jetzt wird ihr Berufsverband 50 Jahre alt. Er heißt Angewandte Kunst Bremen, kurz AKB. Gegründet wurde er 1959 im Focke-Museum, einem traditionellen Bremer Ausstellungsort für Kunsthandwerk. Bis vor kurzem gab es auch regelmäßige AKB-Ausstellungen in der Crusoe-Halle (Böttcherstraße), die inzwischen jedoch als museumspädagogischer Raum genutzt wird.
Zum AKB-Jubiläum erscheint ein Buch. Außerdem gibt es eine große Ausstellung in der Unteren Rathaushalle. Die Schau mit dem Titel „Vom Machen – Schritt für Schritt zum Stück“ wird am Sonntag, 19. April, um 11 Uhr eröffnet. Sie dauert bis zum 26. April und ist täglich von 11 bis 18 Uhr zu sehen.
Achim, Scholen, Syke – zum Bremer Verband gehören etliche Kunsthandwerker aus dem Bremer Umland. So ist es nur folgerichtig, dass zur Eröffnung neben Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) auch die Metropolregion zu Wort kommt – einmal mehr in Gestalt ihres Vorsitzenden, des Landrats Gerd Stötzel.
Von der Politik zurück in die Ateliers. In ihrem Jubiläumsprogramm rücken die Kunsthandwerker das zentrale Element ihres Schaffens buchstäblich in den Fokus – das Machen. Sägen, feilen, glasieren – sehr viele und sehr unterschiedliche Arbeitsschritte sind es, mit denen Gebrauchsgegenstände entstehen, die auch Kunstwerke und Einzelstücke sind.
In einer von Massenprodukten geprägten Alltagswelt gewinnt das Handwerk ein besonderes Gewicht. Keramik und Holz, Metall und Schmuck, Textilien und Papier – die AKB-Künstler verarbeiten ihre Materialien in etlichen Sparten und Disziplinen, denen in der Design-Euphorie der vergangenen Jahre besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde.
Wie sie das machen, darauf lenkt nun nicht allein die Ausstellung den Blick – sondern auch das von Sandra Dürkop in all den Ateliers und Werkstätten mit großem Einfühlungsvermögen fotografierte Buch. Es heißt, man ahnt es, „50 machen“. Gut 20 Buchhandlungen in Bremen und Umgebung präsentieren den Band dieser Tage. Zwischen den Atelierreportagen findet der Leser allerlei Gastbeiträge von Menschen, die keine Kunsthandwerker sind, sich aber mit dem Kunsthandwerk beschäftigt haben.
Ist der Begriff eigentlich noch zeitgemäß? Nein, meint der frühere Bremer Baustaatsrat Professor Eberhard Kulenkampff. Er fordert die AKB-Mitglieder dazu auf, das Wort „Kunst“ aus ihrem Verbandsnamen zu streichen. Heute müsse „jeder, der in seiner schöpferischen Arbeit ernst genommen werden“ wolle, dieses Wort „meiden“, wenn „er sich nicht mit den Marktbedienern gemein machen will“. Sind Schöpfer von Unikaten Marktbediener? Nun, für Diskussionsstoff ist gesorgt. Gut, dass auch ein Podiumsgespräch zum Ausstellungsprogramm gehört. Es ist am Dienstag, 21. April, 19 Uhr.
