BREMEN - Eine Reihe alter Schwarzweißfotos im Polit-Lokal „Ständige Vertretung“ (Böttcherstraße) zeigt Hans Koschnick (SPD) mit Skatkarten. Am Sonntag saß der Alt-Bürgermeister auf einem Podest über der Fotoreihe und guckte bisweilen so, als würde er jetzt viel lieber Skat spielen. Denn Koschnick musste richtig was aushalten.

Er wurde gelobt, gewürdigt, gefeiert. Anlass: Sein bevorstehender 80. Geburtstag am Donnerstag, 2. April. Die Bremer Journalistin Karla Müller-Tupath (Radio Bremen) hat eine Koschnick-Biografie geschrieben.

Das Buch mit dem Titel „Trennendes überwinden“ erscheint im Vorwärts-Verlag (288 Seiten, Preis: 19,95 Euro).

Das Buch wurde am Sonntag in der Nordwestradio-Sendung von Theo Schlüter vorgestellt – mit einer Live-Übertragung aus der „Ständigen Vertretung“. Im dicht besetzten Lokal war das eine oder andere über Koschnick zu erfahren, das man (so) noch nicht wusste. Etwa, dass er gern Musik von Duke Ellington hört. Also spielte das Nordwestradio Duke Ellington für ihn.

Koschnick, das wird im Zusammenhang mit seinem 80. Geburtstag sehr deutlich, wird in Bremen und darüber hinaus geradezu verehrt.

Dabei ist Personenkult dem ehemaligen EU-Administrator in Mostar nun wirklich fremd. Aber Koschnick ist in Erinnerung geblieben als ein Politiker, der es ehrlich meint. So einer gilt heutzutage als Seltenheit.

Auf Ausgleich und Versöhnung war der Politiker Koschnick stets bedacht. Er wollte Brücken bauen zwischen den Menschen. Den Anstoß dazu findet seine Biografin Karla Müller-Tupath in einem Gespräch zwischen dem 15-jährigen Hans Koschnick und seinem Vater im Kriegsjahr 1944.

War das Gespräch, will Theo Schlüter wissen, ein Schlüsselerlebnis? „Ich hab was gegen die hehren Worte“, bekommt er vom bald 80-jährigen Hans Koschnick zur Antwort. Dann kommt doch hinterher: „Es hat mich geprägt.“ 1975, 1979, 1983 – in diesen Jahren waren Bürgerschaftswahlen in Bremen, und der CDU-Spitzenkandidat Bernd Neumann hat sie alle verloren. Gegen Hans Koschnick. In der „Ständigen Vertretung“ sprach Neumann, heute Kulturstaatsminister, am Sonntag davon, wie sehr er „Hans“ schätze.

„1975 war er schon fast ein politisches Denkmal. Es war eher eine Auszeichnung, gegen eine solche Persönlichkeit antreten zu können.“ Und: „Er hatte seinen Job, wie ich finde, auch sehr gut gemacht.“

1983 hatten beide über eine große Koalition in Bremen gesprochen – heimlich, versteht sich. Doch Koschnick holte die absolute Mehrheit – und erklärte: „Dieses Ergebnis hat Bernd Neumann nicht verdient.“ Neumann aan diesem Sonntag: „Was Hans Koschnick ausmacht, ist eine besondere Nähe zu den Menschen.“ Und: „Ich habe immer über sein Namensgedächtnis gestaunt.“