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NWZonline.de Region Bremen

Hier finden Jugendliche ihre Stärken

27.06.2019

Bremen „Ich habe drei Jahre lang die Schule verweigert – hatte keine Motivation mehr, für gar nichts. Dann kam ich auf die Werkschule“, erzählt Felix (17). Er besucht die Werkschule der Helmut-Schmidt-Schule an der Dudweiler Straße in Hemelingen.

„Ich habe vor Kurzem die Abschlussprüfung abgelegt. Jetzt möchte ich meinen Realschulabschluss nachholen, vielleicht auch das Abitur und damit eines Tages studieren“, sagt Felix weiter. Aber was ist das eigentlich, eine Werkschule?

„Wir nehmen Schüler von den Oberschulen auf, bei denen absehbar ist, dass sie ihren Abschluss aufgrund ihrer Noten nicht schaffen werden“, erklärt Andrea Kleine, Sonderpädagogin und Standortleiterin. „Sie können sich bei uns bewerben und starten bei uns mit Beginn der 9. Klasse.“ Für drei Jahre steht dann das praxisorientierte Lernen im Fokus. In der Werkschule werden neben gängigen Fächern wie Mathe, Englisch und Deutsch auch die beiden Fächer Fachtheorie und Fachpraxis für einen Berufsschwerpunkt von Lehrmeistern unterrichtet. „Jede Werkschule hat einen eigenen Schwerpunkt. Am Standort Dudweiler Straße haben wir zwei: Verkauf und Holz sowie Gartenbau und Hauswirtschaft“, sagt Kleine.

Beim Gang durch das Gebäude fällt dem Besucher der Fokus direkt auf: Fachräume wie eine große moderne Küche, eine Holzwerkstatt, ein Verkaufstresen für das selbst gebackene Brot und ein großer Garten mit Gewächshäusern prägen unter anderem das Bild der Schule – die Schüler können sich hier ausleben.

Mit insgesamt 65 Mädchen und Jungen und Klassengrößen von maximal 16 Schülern besteht der Bildungsgang Werkschule der Helmut-Schmidt-Schule aus einem kleinen Kreis. Aktuell unterrichten acht Lehrer und sechs Lehrmeister an der Schule. „Das hat definitiv Vorteile. Die Lehrer, Lehrmeister und Sonderpädagogen können sich intensiv um die Schüler kümmern. Hier herrscht eine familiäre Atmosphäre“, sagt Kleine weiter.

Das können die Werkschüler bestätigen: „Die Lehrer gehen hier besser auf Schüler ein als auf einer Oberschule. Sie nehmen mehr Rücksicht auf uns“, erklärt der 16-jährige Jonas. „Die Schule ist freundlich, und es gibt einen tollen Zusammenhalt“, ergänzt Carina (17). Beide haben wie Felix kürzlich ihre Abschlussprüfung abgelegt.

Einige ihrer Mitschüler wurden zuvor auf ihrer alten Schule gemobbt, sagen die Jugendlichen. „Das gibt es hier nicht. Man geht jetzt viel lieber zur Schule und ist motivierter. Das Klima ist einfach viel besser“, erzählt Carina.

Während der vergangenen drei Jahre sammelte das Trio viele Erfahrungen in der Berufswelt. Dazu tragen auch die insgesamt fünf Praktika bei. Über diese können sich die Jugendlichen orientieren und in einigen Fällen auch in der Berufswelt einen Fuß in die Tür bekommen, sagt Kleine. „Es ist so schön, die Entwicklung unserer Schüler zu erleben. Im Laufe der drei Jahre werden sie selbstbewusster und selbstständiger“, sagt Kleine.

Darauf, was aus einigen ehemaligen Schülern geworden ist, hat die Standortleiterin ein Auge. „Ich habe immer noch Kontakt zu einigen. Ein paar von ihnen besuchen uns regelmäßig in der Schule und erzählen den Mädchen und Jungen, was sie heute machen“, sagt Kleine. „Es ist ein ganz tolles Gefühl zu sehen, was aus ihnen geworden ist. Besonders, dass sie heute das Selbstbewusstsein haben, vor den Schülern frei sprechen zu können.“

Trotz des hohen praktischen Anteils ist Kleine eines besonders wichtig: „Wir bilden hier nicht aus. Die Schüler sollen erkennen, wo ihre Stärken und Interessen liegen. Sie müssen zum Beispiel später in ihrer Ausbildung nicht in den Garten gehen, aber sie haben hier die Möglichkeit, sich auszuprobieren.“

Die Sozialpädagogen Uwe Hachgenei und Niklas Klinz stehen den Schülern während ihrer Zeit an der Helmut-Schmidt-Schule zur Seite. „Wir unterstützen sie bei schulischen, aber auch bei privaten Themen. Wir schaffen einen Rahmen, in dem sie offen reden und auch mal Dampf ablassen können. Und dann finden wir gemeinsam eine Lösung“, betont Hachgenei.

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