BREMEN - In der Röhre werden Tumore, komplizierte Knochenbrüche und jetzt auch Meeresboden genauestens angeschaut. Gerade hat das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) einen Computer-Tomographen dafür erworben.
So können die Bremer Geowissenschaftler in ihre Untersuchungsobjekte hineinschauen, ohne sie zu aufzuschneiden oder zu zerstören. Dadurch erhoffen sich die Geowissenschaftler große Fortschritte bei der Untersuchung vor allem von Gashydraten, wie eine Marum-Sprecherin erklärte. Da das Gerät in einem Lkw-Anhänger mobil untergebracht ist, kann es auch auf Expeditionen mitreisen.
„Zerstörungsfreie Untersuchung ist das Stichwort“, so Prof. Gerhard Bohrmann, Vize-Direktor des Marum und Leiter der Arbeitsgruppe, die den Computer-Tomographen (CT) betreibt. „Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der Untersuchung von Gashydraten. Diese sind aber nur bei hohem Druck und niedriger Temperatur stabil. Unsere Proben vom Meeresboden nehmen wir daher zum Teil in Druckbehältern. So erreichen sie das Deck in dem Zustand, wie sie am Meeresboden vorliegen.“
Beim Öffnen des Behälters zerfielen die Gashydrate, so Bohrmann, da der Druck an der Oberfläche viel niedriger sei als am Meeresboden. Also müsse der ungeöffnete Behälter geröntgt werden, um der eisähnlichen Verbindung aus Methan und Wasser ihre Geheimnisse zu entlocken. Mit ihrem Gehalt an Methan, dem Hauptbestandteil des Erdgases, könnten die Gashydraten laut Bohrmann eine wichtige Energiequelle sein.
„Doch um den Abbau sicher für Meeresumwelt, Klima und Mensch gestalten zu können, müssen wir noch sehr viel über den Stoff lernen“, sagte der Wissenschaftler. Denn erstens gebe es ganze Ökosysteme, die an, von und um Gashydrat-Vorkommen lebten, zweitens sei Methan, wenn es in die Atmosphäre entweiche, ein etwa 25-mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Und drittens stabilisierten die eisartigen Gashydrate den Meeresboden genau dort, wo es steil hinab geht – an den Kontinentalrändern.
Bohrmann: „Lösen sie sich auf oder werden abgebaut, könnte dies Erdrutsche unter Wasser und Tsunamis auslösen. Sollten wir wirklich Gashydrat abbauen wollen, müssen wir vorher genau wissen, wie es entsteht, wie seine Struktur ist und wie es zerfällt.“
2007 war das Marum schon einmal mit dem CT-Scanner auf dem Forschungsschiff „Meteor“ unterwegs. Damals war das Gerät jedoch nur gemietet. Jetzt konnte es gekauft werden. „Für uns ein Glücksfall“, freute sich Mitarbeiter Friedrich Abegg.
