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NWZonline.de Region Bremen

Freizeit: Bremen 1860 geht aus der Stube auf die Insel

04.06.2020

Bremen Zackig gehen die jungen Leute nach vorn in den Ausfallschritt und stoßen mit einem Arm voran. Fechter des Sportvereins Bremen 1860 in Schwachhausen trainieren auf einer Wiese. Zwischen ihnen ist viel Platz. Jeder steht auf seiner „Insel“, die auch jeweils einen Namen hat – zum Beispiel Usedom. Auf dem 7 000 Quadratmeter großen Rugby-Feld sind 28 „Inseln“ mit Kreide abgegrenzt, jede 54 Quadratmeter groß.

Es wäre Platz für mehr Inseln gewesen. „28 reichen“, sagt Geschäftsführer Sebastian Stern (39). Man wolle keine Schlangenbildung. Schon vier Wochen finden hier zumindest Fitness-Programme für verschiedene Sportarten statt. Beim Eltern-und-Kind-Training gehen Eltern mit ihren Kindern auf die „Inseln“.

Bremen 1860 zählt stolze 6 000 Mitglieder. Doch auch Nicht-Mitglieder nutzen Angebote des Vereins, darunter Senioren. In Normalzeiten bewege der Verein 10 000 Menschen. In der Pandemie ist es anders. „Wir sind froh, wenn wir 1 000 pro Woche schaffen“, sagt Stern.

Jetzt hat der Verein auch den Innen-Bereich geöffnet, allerdings nur einen Teil seiner Hallen. In der großen Halle sind 20 „Inseln“ mit Hilfe farbiger Hütchen abgegrenzt.

Auch beim Taekwondo in einer Nachbarhalle ist der Boden klar mit Hütchen eingeteilt. Die Kinder trainieren in drei Reihen. Jedes bleibt im Bereich seiner „Insel“. Die Kinder gehen Bewegungsläufe durch, sogenannte Poomsae. Schnell stoßen sie mit ihren Armen und Beinen vor und drehen sich. Laut Susanne Albers (59), unter anderem Taekwondo- und Pilates-Trainerin bei Bremen 1860, seien die Leute froh, dass überhaupt Training stattfinde. Die Taekwondo-Schüler können Selbstverteidigung mit Hilfe ihrer Fantasie üben.

„Wir haben schon vor Jahren beschlossen, dass wir keinen Freikampf mit Vollkontakt machen. Bei dem Training geht es um Disziplin“, sagt Albers. Beim Training würden sonst Schlagpolster eingesetzt. Sie schätzt, dass in Sachen Fitness aktuell etwa 90 Prozent der Trainingsleistung erreicht werden, beim technischen Level etwa 65 Prozent.

Eine Halle weiter trainieren Grundschulkinder Rhythmische Sportgymnastik. Stern weist auf die hohe Decke hin. „Es wird immer nach den Quadratmetern geguckt. Aber je mehr Volumen da ist, desto weniger Luftkonzentration kann sich aufbauen“, sagt er. Die Fenster und Türen sind natürlich auf.

„Wir gucken, wie die Pandemie sich verhält, wir haben für jedes Szenario ein Konzept“, sagt Stern. Im Konferenzraum der Vereinszentrale ist ein provisorisches Studio eingerichtet. Im April wurden hier 66 Trainingsvideos aufgenommen. Danach gab es ein Live-Programm. Projektleiterin Meentje Otto (25), die zusammen mit Stern und Albers das Inselkonzept entwickelt hat, saß während der Produktionen am Rechner. Sie organisiert auch die Ferienbetreuung. „Normal kommen wöchentlich 200 Kinder. Das wird in diesem Jahr in diesem Umfang nicht möglich sein“, sagt sie.

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