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NWZonline.de Region Bremen

Führung: Die Geschichte hinter dem Stadtbild

30.06.2018

Bremen Straßenbahnen fahren vorbei aus Richtung Schüsselkorb, Geschäfte präsentieren ihre Auslagen, gastronomisches Treiben: Abendstimmung am Rand des Domshofs. Schräg gegenüber ist das Restaurant „Maredo“ zu sehen. Detlef Stein (49) zeigt auf einem Bild, was dort früher war: das Hotel Lindenhof. Und er erzählt, wer dort unter anderem zu Gast war: Heinrich Heine und Hans Christian Andersen. Wo die 15 Teilnehmer des Stadtrundgangs „Märchenerzähler in Bremen“ von Stein und Heinrich Lintze (65) stehen, befanden sich damals Linden.

Das gezeichnete Hotel wirkt prächtig, aber Heine war bei seinem Besuch im Oktober 1843 nicht zufrieden, wie Stein erzählt. „Er fühlte sich gestört von lauten Geräuschen vom Domshof. Damals fand dort der Freimarkt statt.“

Liebeskummer

Ganz anders Hans Christian Andersen: Der kam 1843 in das Hotel, um das damals frisch entstandene Theater auf dem Gebiet des heute unbebauten und zuvor von der Gruppe besichtigten Theaterbergs zu besuchen. Andersen fühlte sich wohl. Er machte einen Halt auf einer Reise von Kopenhagen nach Paris und traf in Bremen auch die Kaufmannstochter Lina von Eisendächer. „Die hatte ihm einen Fan-Brief geschrieben“, sagt Stein. Er weiß noch eine weitere Besonderheit über Andersen: „Andersen konnte während des Erzählens Papierbögen zu Scherenschnitten machen. Die faltete er am Ende der Geschichte aus und zeigte sie.“ Gerne sei Andersen auch in den nahegelegenen Museumsverein gegangen. „Heute befindet sich dort die Kleine Museumsstraße“, sagt Stein.

Die Tour führt in den Ratskeller unter dem Rathaus. Hier muss Wilhelm Hauff, bekannt unter anderem durch das Märchen „Der kleine Muck“, im Jahr 1826 sich ordentlich einen hinter die Binde gekippt haben. Der Grund: Liebeskummer. Der feucht-deprimierte Abend lieferte den Grundstoff für seine Novelle „Phantasien aus dem Bremer Ratskeller“. Hauffs Alkohol-Pegel muss beträchtlich gewesen sein. Fresco-Bilder an den Wänden zeigen Hauff die Treppe zum Ratskeller herunterwanken und über dem Tisch schweben.

Stolzer Blick

Die Führung behandelt nicht nur die Verbindung von Märchenerzählern mit Bremen, sondern führt auch in die Biedermeierzeit in der Hansestadt ein. Die Tour führt vorbei an der Statue von Heinrich Wilhelm Matthias Olbers in den Wallanlagen, 1850, zehn Jahre nach dessen Tod, gebaut, wirkt erhaben. Stolz ist der Blick, elegant die Haltung auf Stand- und Spielbein. Allerdings ist die Darstellung schon sehr idealisiert, wie Stein erklärt: „Er trägt eine Toga wie ein römischer Konsul. Die normale bürgerliche Kleidung in dieser Zeit sah ganz anders aus.“ Olbers blickt durch ein Fernrohr, gestützt von einem Engel. Auf der Rückseite der Statue ist Olbers, Arzt und Astronom, in weitaus kleinerem Maßstab dargestellt. Als Arzt misst er den Puls des Patienten, ebenfalls barfuß und mit Toga. „Es gab Polemiken zur Eröffnung der Statue, weil der Kranke im Bett seinen Oberkörper so elegant hebt“, sagt Stein.

Geplante Führungen

Die nächste Führung findet am Dienstag, 3. Juli, um 10 Uhr statt. Weitere Führungen gibt es am 21. und 22. August. Kosten: zehn Euro. Der Rundgang dauert etwa zwei Stunden. Anmeldungen per E-Mail unter schweizer7@t-online.de.

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