BREMEN - Mehr als drei Jahre nach dem tödlichen

Brechmitteleinsatz bei einem mutmaßlichen Drogendealer in

Polizeigewahrsam muss sich seit Mittwoch ein Arzt vor dem Bremer

Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem

44-Jährigen fahrlässige Tötung vor.

Der Mediziner hatte einem 35-Jährigen aus Sierra Leone im Dezember

2004 im Auftrag der Polizei zwangsweise Brechsirup und Wasser

eingeflößt, um verschluckte Drogen sicherzustellen. In der Folge war

der Afrikaner ins Koma gefallen und elf Tage später gestorben. Nach

Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte der Arzt rechtzeitig eingreifen

und den Tod verhindern können.

Über seinen Anwalt ließ der Angeklagte erklären, er bedauere

zutiefst, dass der Mann ums Leben gekommen sei. Er habe auf der

Grundlage der damaligen Rechtsauffassung gehandelt. Diese sei von

obersten Gerichten bestätigt worden. „Glücklicherweise“ habe der

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Brechmittelvergabe

inzwischen verboten, sagte der Verteidiger.