BREMEN - Erst verschaffte er sich mit einem gefälschten Presseausweis freien Eintritt zu den Europameisterschaften der Rhythmischen Sportgymnastik in den Bremer Messehallen. Als seine Identität auffiel, versuchte er zu fliehen.
Betrug, Urkundenfälschung und Körperverletzung werden dem 52-jährigen Frührentner aus Bremen vor dem Amtsgericht vorgeworfen. Aus Kostengründen verzichtet er auf einen Verteidiger. „Ich gestehe meinen Betrugsversuch ein und möchte mich entschuldigen“, sagt er. Aufgrund seiner gesundheitlichen Beeinträchtigungen sei er Frührentner und erhalte im Monat eine Rente von 251 Euro, Aufstocken habe er nicht beantragt. Er habe, als er mit dem gefälschten Presseausweis die Europameisterschaften besuchte, eine Trennung von seiner Partnerin hinter sich gehabt. „Mir fiel die Decke auf den Kopf, und weil ich zu Hause kein Internet habe, dachte ich, ich könnte im Presseraum ins Internet gehen“, so der ehemalige Landwirt. Zunächst war er zu der Veranstaltung zugelassen worden; seine Identität wurde jedoch enttarnt. Da er keinen Personalausweis bei sich trug, wurde die Polizei gerufen. „Während ich draußen mit dem Leiter der Veranstaltung auf die Polizei gewartet habe, bin ich in Panik geraten. Der Mann warf mir vor, ich hätte mich in Bereichen aufgehalten, wo die Umkleidekabinen für die jugendlichen Sportler sind und unterstellte mir eine pädophile Neigung. Das war völliger Quatsch!“ Daraufhin habe er versucht, wegzurennen, und dabei sei es zu einem Gerangel gekommen, geschlagen habe er jedoch nicht.
Der Mann wurde vom Sicherheitspersonal überwältigt und fixiert. „Das war übertrieben und brutal“, so der 50-Jährige. Auch gegen die Männer des Sicherheitspersonals läuft zurzeit noch ein Verfahren wegen Körperverletzung.
Der Vorsitzende Richter ließ auf Antrag der Staatsanwältin die Anklage wegen Körperverletzung fallen und verurteilte den ehemaligen Landwirt wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen ` fünf Euro.
