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NWZonline.de Region Bremen

Als das Kaufhaus des Westens verschwand

16.10.2018

Bremen Mitten im Bremer Westen, mitten in Walle war es zu finden – das „Kaufhaus des Westens“. Es stand an dem Punkt, an dem die Bremerhavener und die Vegesacker Straße aufeinandertreffen. Seit langer Zeit schon gibt es das Kaufhaus nicht mehr. Heute ist es Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Es ist eine Geschichte von Ausgrenzung und Verfolgung, die hier zu erzählen ist. Die Geschichte von Bruno und Betty David. Anfang der 20er Jahre hatte Bruno David, 1886 in Aachen geboren, das „Kaufhaus des Westens“ an dem markanten Eckpunkt eröffnet. Er führte es gemeinsam mit seiner Frau Betty, geborene Meier, 1889 in Bremen zur Welt gekommen. Mit der Eheschließung war sie zum jüdischen Glauben übergetreten. Das Gebäude an der Bremerhavener Straße, anno 1897 errichtet, eignete sich wegen der zentralen Lage in Walle gut für ein Kaufhaus.

Im Erdgeschoss und in der ersten Etage richteten die Davids ihre Verkaufsräume ein. Sie wohnten in einer Etage über ihrem Geschäft. Im Kaufhaus boten sie Damen- und Herrenkleidung sowie Strumpf- und Kurzwaren an. Hinzu kamen Betten und Teppiche. Die Geschäfte gingen so gut, dass Betty und Bruno David bald eine Filiale eröffneten. Sie lag ebenfalls in Walle – und auch ganz in der Nähe. An der Landwehrstraße verkauften die Davids Gardinen und Teppiche.

Nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, waren auch Betty und Bruno David Ausgrenzung und Ächtung, Anfeindung und Verfolgung ausgesetzt. Im Jahr 1935 gab die NSDAP-Kreisleitung eine Broschüre mit dem Titel „Auch Dich geht es an“ heraus. Darin forderte sie zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. In einer Auflistung aller jüdischen Geschäfte Bremens wurde auch das „Kaufhaus des Westens“ genannt – mit Foto und Anschrift. Wenig später wurden die Davids gezwungen, ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Jüdisches Geschäft“ im Schaufenster anzubringen.

1936 erlitt Bruno David dann einen Schlaganfall. Nach seinem Tod wurde seine Frau Eigentümerin des Kaufhauses. Es folgte die Zeit der „Arisierung“, der Zwangsenteignung durch die Nationalsozialisten. 1938 musste Betty David einen „arischen“ Geschäftsführer einsetzen – einen Funktionär der NSDAP.

Eine weitere Demütigung war, dass der NS-Staat Betty David dazu zwang, die jüdische Religionsgemeinschaft wieder zu verlassen. Betty David überlebte die Jahre des Zweiten Weltkriegs unter ihrem Mädchennamen Meier in Bremen.

Sie ist 1946 in ihrer Geburtsstadt gestorben. Das Kaufhausgebäude gab es da schon nicht mehr. Im Juni 1942 war das Haus bei einem der Luftangriffe auf den Bremer Westen von Bomben weitgehend zerstört worden. Das „Kaufhaus des Westens“ gab es von da an nicht mehr. Die Ruine des Gebäudes blieb noch bis in die Nachkriegszeit hinein stehen. 1950/51 wurde sie durch einen Neubau in charakteristisch abgerundeter Dreiecksform ersetzt; oben schmückt ein umlaufender Balkon das Gebäude. An der Fassade des Wohn- und Geschäftshauses haben Waller Bürger eine Gedenktafel anbringen lassen, die an Betty und Bruno David und das „Kaufhaus des Westens“ erinnert.

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