BREMEN - An heißen Sommertagen war die „Gröpeln“ nahezu überbucht, die Leute aus Walle und Gröpelingen drängelten sich an Bord, um zum Badevergnügen auf die andere Weserseite zu schippern. Das Badevergnügen endete 1964, weil die Stadt auf dem Lankenauer Flussufer den Neustädter Containerhafen bauen ließ. Die Fähre transportierte dann Arbeiter zur Werft AG „Weser“, später wurde sie in Blumenthal eingesetzt.
Im Jahr 1981 verschenkte Bremen die Fähre „als Zeichen der internationalen Solidarität“ nach Nicaragua. Die „Gröpeln“ sollte als Versorgungsschiff für die Bevölkerung dienen und so ihren Beitrag beim Aufbau des mittelamerikanischen Landes leisten, in dem die Sandinisten just Diktator Anastasio Somoza gestürzt hatten.
„Seitdem haben sich die Spuren verwischt“, sagt Günter Reichert vom Verein „Geschichtswerkstatt Gröpelingen“. Doch es gebe immer wieder Fragen nach dem Verbleib des Schiffes. Und so haben die Geschichtsforscher die Spur wieder aufgenommen. Und sie sind dabei „auf spektakuläre Fotografien und Nachrichten“ gestoßen.
Die „Gröpeln“ war als Versorgungsschiff für die Inselgruppe Solentiname im südlichen Nicaragua-See vorgesehen, der Heimat des sandinistischen Befreiungskämpfers und Dichters Ernesto Cardenal. 1982 wurde die Fähre von einem Bremer Frachtschiff an der karibischen Küste vor der Flussmündung des San Juan auf Reede gesetzt. Die Reise endete auf halber Strecke: Unterhalb der alten Festung El Castillo nahm eine Rebellengruppe des Ex-Sandinistenführers Edén Pastora die „Gröpeln“ unter Beschuss. Sie lief gegenüber der Ortschaft El Castillo auf eine Sandbank und lag dort mehrere Jahre lang fest.
1986 war der Nürnberger Fotograf Markus Bibelriether an den Ufern des Flusses, wo die alte Fähre noch auf der Sandbank lag. Er stellte seine Fotos den Gröpelingern zur Verfügung. Die forschten weiter. Demnach soll das Schiff im Auftrag der nationalen Hafenbehörde zwischen 1990 und 1995 vom Militär zur Werft „Astillero El Diamante“ bei Granada gebracht worden sein, um es dort reparieren zu lassen.
Im März 2011 jedenfalls meldete die nicaraguanischen Zeitung „La Prensa“, dass die „Gröpeln“ wegen angeblicher Unbrauchbarkeit 2010 an einen Werftbesitzer verkauft und von diesem verschrottet wurde. Werftchef Milton Arcia sagte der Zeitung, er habe das Altmetall zur Herstellung von Kochtöpfen weitergegeben.
