BREMEN - Lernen wie zur Kaiserzeit mit Scheitel und Zöpfen, Diener und Knicks: Die Klasse 3a der Grundschule an der Philipp-Reis-Schule in Horn-Lehe besuchte als erste Klasse nach den umfangreichen Umbauarbeiten die Schulgeschichtliche Sammlung in Hastedt. Eine Kernsanierung – unter anderem durch Mittel der Stiftung Wohnliche Stadt ermöglicht – war der Wiedereröffnung vorausgegangen. „Strom, Kanalisation, eigentlich musste alles saniert werden“, skizziert Ute Adamowsky, kommissarische Leiterin des Museums, die langwierigen Arbeiten, die aber bald abgeschlossen sind.
Vor allem legt man in der Schulgeschichtlichen Sammlung großen Wert auf Museumspädagogik, bei der mit allen Sinnen Geschichte gelernt werden kann.
Die Grundschulkinder waren von ihrer Lehrerin Walburga Rogge schon im Schulunterricht auf ihre Zeitreise vorbereitet worden und betraten den historischen Klassenraum mit den alten Tischen und Bänken recht gesittet – und wie es sich damals gehörte, Mädchen und Knaben hübsch getrennt. Einige hatten stramme Zöpfe gebunden oder messerscharfe Scheitel gezogen. Nach einer Einweisung in die schulischen Gepflogenheiten während des Kaiserreichs wurden historische Kleidungsstücke wie Kittelschürzen und Matrosenkragen angezogen.
Auch die Lehrerin ließ es sich nicht nehmen, die Stunde in einer altertümlichen Verkleidung zu geben. Angesichts der kostümierten Pädagogin war die Disziplin der Kinder dann auch für einen Moment vergessen. Als krönenden Abschluss erwartete die Klasse noch ein historisches Frühstück mit Muckefuck und Margarinen-Zucker-Broten sowie Zuckerrübensirup. Mit allen Sinnen sozialgeschichtliche Hindergründe zu erfahren, also auch Not und Mangel zu erleben, sei ein primäres Ziel der Schulgeschichtlichen Sammlung, betont Ute Adamowsky. Der Ablauf eines Klassenbesuchs werde daher nach Möglichkeit vorab in einer Lehrerberatung abgestimmt und es werde auf Alter, Fähigkeiten und Interessen der Gruppen Rücksicht genommen. Bis zum Jahresende sollen alle Ausstellungsräume fertiggestellt sein und auch anderen
Besuchergruppen offen stehen. Infos unter 0421/361 30 30.
