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NWZonline.de Region Bremen

Köstliche Schätze aus der Unterwelt

12.08.2019

Bremen Die Blicke fallen auf Metallstangen in einem dunklen Raum sieben Meter unter der Erde. Kein Verließ, sondern ein Ort, der die Herzen von Weinkennern schneller schlagen lässt: Die Teilnehmer der „Kellerführung 1405“ im Bremer Ratskeller blicken auf dessen Schatzkammer.

Diese sei ein entscheidender Faktor gewesen, als das Bremer Rathaus Unesco-Weltkulturerbe wurde. „Das ist die weltweit größte und bestsortierte Sammlung edelsüßer deutscher Edelweine“, sagt Birgit Witte-Hartwig, Gästeführerin des Ratskellers. Der älteste Wein sei von 1727, ein Wein aus Rüdesheim.

Aufgrund hoher Nachfrage sei der Preis pro Flasche von 1500 auf 2500 Euro gestiegen. Der Wein wurde mit 100 Parker-Punkten bewertet. Die Bestwertung soll vorher sechs Jahre nicht vergeben worden sein, so Ratskellermeister Karl-Josef Krötz (62).

Der teuerste Wein in den vielen Regalen hinter dem Gitter ist ein „Wehbener Sonnenuhr“ aus dem generell herausragenden Jahrgang 1959. „Der kostet 10 000 Euro und drüber. Bei Auktionen geht der auch für 20 000 Euro weg“, sagt Krötz später.

Ein Zuhörer fragt: „Sind das 0,5 oder 0,7 Liter?“ Geschmunzel. Witte-Hartwig vermutet, dass es sich um kleine Flaschen handelt. Der jüngste Wein soll von 2015 oder 2016 sein.

Meist handele es sich in der Sammlung um Riesling. „Es ist auch Aufgabe des Ratskellermeisters, edle Weine zu finden, die hier in 200 oder 300 Jahren noch lagern können“, sagt Witte-Hartwig. Die Flaschen seien mit Naturkorken verschlossen. „Die zerbröseln nach 30 bis 40 Jahren. Dann müssen sie neu verkorkt werden.“

Ein enger Raum ist der Apostelkeller. Die Führungsteilnehmer gehen an großen Weinfässern vorbei. Auf diesen stehen Kerzen und bringen Licht in den sonst dunklen Raum. Direkt hinter dem Apostelkeller liegt der ebenfalls nicht übermäßig große Rosékeller. In beiden Räumen liegt ein betörender Duft in der Luft. Es duftet nach allem, was man sich unter edlen Weinen vorstellen kann. „Genießen Sie es. Was Sie einatmen, sind Jahrhunderte der Weinkultur“, sagt Witte-Hartwig.

Dann erklärt sie: „Im Apostelkeller stehen zwölf Fässer, für jeden Apostel eines.“ In den Fässern: Rosé-Weine. „Sie sind von den Altvorderen benannt nach der Königin der Pflanzen, der Rose. Das sind außergewöhnliche Weine, die ein besonderes Potenzial haben, wenn man sie lange einlagert“, sagt Karl-Josef Krötz. „Sie sind etwas ganz Besonderes, wenn man sie nach 20, 80 oder 150 Jahren verkostet.“

Witte Hartwig erinnert an den 1727er-Wein aus der Schatzkammer. Dieser Wein stamme auch aus dem Apostelkeller. Er sei entnommen und in Flaschen gefüllt worden, als eines der Fässer zu bersten drohte.

Mehrere Kerzen stehen auf einem Tischschen, eine Kerze auf einem großen Fass im Rosékeller. Im Fass ist lagert der älteste deutsche Fasswein. Er ist von 1653 und kommt aus Rüdesheim. Ein chinesischer Milliardär soll gut 100 000 Euro für eine Flasche geboten haben. „Wir dachten nicht einen Moment daran, etwas davon zu verkaufen“, betont Witte-Hartwig.

Die Gäste probieren während der Führung, die im Rahmen des Ratskellerfestes möglich ist, einen Secco sowie einen Rieslingtrüffel und erfahren nebenbei einiges zur Geschichte. Etwa, dass der Bremer Rat 1330 den Weinhandel von den bankrotten Klöstern übernahm und 1405 den Ratskeller eröffnete. Napoleon gab den Weinhandel dann für alle frei.

Der Ratskeller spezialisierte sich auf deutsche Edelweine. Heute lagern dort 1200 Weine, mehr als 600 werden in der Gastronomie angeboten. „Ich bin fasziniert, was so unter dem Marktplatz ist“, staunt Gast Kirsten Manske.

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