BREMEN - Mythen, Geheimnisse, Rituale – um das Wirken der Freimaurer ranken sich etliche Legenden und Geschichten. Die Geschichte der Freimaurer in Bremen erzählt jetzt der Historiker Dr. Marcus Meyer. Und seine Arbeit widerlegt so manche Legende.
Meyer hatte Zugang zu Quellen, die kein anderer vor ihm ausgewertet hat – jedenfalls nicht jetzt und nicht zu diesem Thema. Er las Akten aus dem im Jahr 1939 gegründeten Reichssicherheitshauptamt, die bis zum Ende der DDR in Ost-Archiven verwahrt wurden. Die Freimaurer, so Meyer, hätten seine Arbeit „letztlich finanziert“, aber keinen Einfluss auf sie genommen.
In seinem Buch „Bruder und Bürger“ präsentiert der Historiker Erkenntnisse, von denen viele für Freimaurer keine angenehme Lektüre sein dürften. Basis war die Freimaurer-Ausstellung „Licht ins Dunkel“, die das Focke-Museum 2006 zeigte. Meyer, Jahrgang 1975, war damals wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schau und Co-Autor des Buchs zur Ausstellung. Für seine neue Studie bekam er in diesem Jahr den renommierten „Bremer Preis für Heimatforschung“.
Wie der Titel „Bruder und Bürger“ andeutet, erzählt Meyer – selbst kein Freimaurer – die Geschichte als Teil der Geschichte des (männlichen) Bürgertums in Deutschland. Er beginnt – natürlich – mit der Aufklärung, in der das Bürgertum sich von der Adelsherrschaft emanzipierte. Meyers Darstellung endet mit den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Dazwischen liegt die Schilderung einer sonderbar anmutenden Entwicklung.
Die Geschichte der Freimaurer beginnt geradezu progressiv, mit Enthusiasmus beruft man sich – allerdings nur unter Männern – auf die Ideale der Aufklärung.
Ein Schwerpunkt von Meyers Buch ist das Thema Freimaurer und Nationalsozialismus. Nach dem Krieg bezeichneten sich Freimaurer gern als Verfolgte. Zu Unrecht, wie Meyer feststellt. „Es gab Freimaurer, die verfolgt wurden – dann aber wegen ihres politischen Engagements.“
