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NWZonline.de Region Bremen

St.-Pauli-Nächte gab es auch in Bremen

13.08.2019

Bremen St.-Pauli-Nächte – die waren einst auch in Horn möglich. Aber ganz gesittet. Weit über Horns und Bremens Grenzen hinaus bekannt war das „St.-Pauli-Restaurant“, ein – so die Eigenwerbung zu Kaisers Zeiten – Konzert- und Vergnügungsetablissement.

Der Schwung der Industrialisierung hatte die Stadtbevölkerung mobiler gemacht, an den Wochenenden fuhr sie gern raus aufs Land – und Horn, das war damals noch auf dem Land. Allerorten entstanden Ausflugslokale, so auch das St.-Pauli-Restaurant, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde.

Das volle Freizeit-Programm wurde hier geboten: Es gab Orchesterkonzerte und zwei Doppelkegelbahnen, Tanz im großen Saal und einen Kinderspielplatz. Es gab Clubräume, eine Terrasse und einen „Kaffeegarten“.

Die „St.-Pauli“-Gäste, die aus der Stadt und den Umlandgemeinden nach Horn kamen, durften in diesem Garten selbst mitgebrachten Kuchen essen. Zahlen mussten die Gartenbesucher allerdings für das heiße Wasser, mit dem sie ihren Kaffee und ihren Tee – ebenfalls selbst mitgebracht – aufbrühten.

Unterdessen wuchs auch Horn. Und so zog das St.-Pauli-Restaurant nicht allein Gäste von außerhalb an, sondern eben auch Gäste aus der Nachbarschaft. Von der Familienfeier bis zum großen Ball – das Lokal entwickelte sich zu einem Mittelpunkt Horns. Alle trafen sich hier: Turnvereine, Theatergruppen, Gesangsvereine.

Auch der Sportverein Eiche Horn ist hier gegründet worden – am 23. Juli 1899 abends um 20.30 Uhr, wie in der Vereinshistorie genau nachzulesen ist. 26 Horner erklären sich gleich bereit, dem neuen Turnverein beizutreten. Als Turnlokal wird der große Saal des St.-Pauli-Restaurants ausgewählt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die Amerikaner das Gebäude. Wenig später nutzte der damals noch junge Sender Radio Bremen den Saal des Lokals als „Funktheater“ – unter anderem trat hier ein junger Musiker aus Sebaldsbrück auf: Posaunist Hans Last (1929 bis 2015), der später als Bandleader James Last Weltkarriere machen sollte.

1952 öffnete ein Kino in dem Haus, zwei Jahre später kam Gastronomie hinzu. 1964 schloss das Kino wieder, es waren die Jahre des „Kinosterbens“ im aufkommenden TV-Zeitalter. Nun nutzte das Theater Bremen den Saal als Probebühne – es war die Zeit, als der „Bremer Stil“ das Schauspiel revolutionierte.

Im April 1965 eröffnete der Musiker und Pächter Fritz Bruns, der sich „Fred Horner“ nannte und auch Western-Schlager veröffentlichte („My Sunny Baby“), im St.-Pauli-Restaurant ein Tanzlokal mit dem Namen „Sanssouci“. Er hatte es auf ein jüngeres Publikum abgesehen, das Beat-Musik hörte. Horner alias Bruns organisierte auch Gesangswettbewerbe in seinem Lokal. Das ging bis Anfang der 70er Jahre gut, dann zog Horner sich zurück.

Nun betrieb seine Frau in den Räumen einen Oben-ohne-Club namens „333“, dann wurde die Bar „Marseille“ daraus. Die „Zeugen Jehovas“ nutzten zwei Jahre lang den Saal. Dann war Schluss, das einst so beliebte Ausflugslokal St.-Pauli-Restaurant war endgültig Geschichte – Ende 1974, Anfang 1975 wurde das Gebäude abgerissen.

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