BREMEN - Behindertenverbände und Gastwirte kritisieren die Pläne von Bau- und Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne), in Bremen die öffentlichen Toiletten womöglich durch „nette Toiletten“ in Lokalen zu ersetzen.
Die Baudeputation hat einer einjährigen Testphase in Bremen-Nord derweil zugestimmt. Das Konzept sieht so aus: Gaststätten schließen einen Vertrag mit der Stadt ab und erlauben dafür die kostenlose Nutzung ihrer Toiletten. Die Stadt muss ihre Verträge mit den Betreibern der 22 automatischen Klos, „JCDeceaux“, nicht über 2012 hinaus verlängern.
Kritik von Verbänden
Auf die Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl werde keine Rücksicht genommen, bemängeln die Behindertenverbände „Selbstbestimmt Leben“ und das „Forum Barrierefreies Bremen“. „Die WCs in Gaststätten sind oft nur über Aufzüge oder schmale Gänge zu erreichen“, sagt Andrea Sabellek von „Selbstbestimmt Leben“. Oder eben gar nicht, weil eine Treppe in den Keller bezwungen werden muss. Das ist auch an der Flaniermeile Schlachte das Problem, wo Rollstuhlfahrer vor die Tür geschickt werden, wenn sie mal „müssen“: An der Straße steht derzeit noch ein barrierefreies öffentliches Toilettenhäuschen.
Angestellte sollen helfen
Oder sie lassen sich von Fremden helfen wie in „Feldmanns Bierhaus“. Betriebsleiter Michael Schlüsselburg stellt zwei Angestellte ab, um Gäste im Rollstuhl auf dem Weg zum Klo die Treppen herunter- und wieder heraufzutragen. Und ein Umbau? Der sei zu aufwendig und deshalb zu kostspielig.
Ähnlich argumentieren auch andere Schlachte-Gastronomen. Die Hauptsorge der Kneipiers ist allerdings eine andere. „Man hat dann keine Chance mehr, jemanden abzulehnen“, befürchtet der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Fritz Rößler. Schließlich besuchten auch „Klienten“ öffentliche WCs, „die in einem Restaurant nichts zu suchen haben“.
Barrierefreie Toiletten
Nichts einzuwenden gegen die „netten Toiletten“ hat hingegen der Landesbehindertenbeauftragte Joachim Steinbrück. Sollte die Versorgung durch die Gastronomie nicht ausreichen, fordert er allerdings, dass zusätzlich barrierefreie Klos aufgestellt werden. Davon könne Bremen bereits jetzt mehr vertragen.
