BREMEN - Noch immer entscheiden sich junge Mädchen bei der Berufswahl selten für technische oder handwerkliche Ausbildungsmöglichkeiten. Beim Girls Day öffneten Betriebe und Institutionen ihre Tore, um die Mädchen für typische Männerdomänen zu begeistern.
Mit 400 Pferdestärken
„Ich habe Angst“, ruft Zeynep , hat dabei aber immerhin noch ein Lächeln übrig. Kai Grollik wirkt beruhigend auf seine Fahrschülerin ein. Er ist wie sein Kollege, Fahrschulleiter Ralf Rohrmoser, Lkw-Fahrlehrer bei der Straßenverkehrsgenossenschaft Bremen (SVG). Das bedeutet: Die 16-Jährige steuert gerade einen 18-Tonner-Fahrschul-Lkw mit 400 Pferdestärken.
Die SVG hat gemeinsam mit der Agentur für Arbeit rund 18 jungen Mädchen die dreijährige Ausbildung zur Berufskraftfahrerin vorgestellt. „Unter den zehn meist gewählten Ausbildungsberufen war 2009 bei den Frauen kein naturwissenschaftlicher oder technischer Beruf“, weiß Jana Latzel, Beauftrage für Chancengleichheit am Arbeitsplatz (BCA) bei der Agentur für Arbeit. Dabei sind die Chancen auf einen langfristigen, festen Arbeitsplatz gerade hier groß. „Der Logistikbereich wächst“, so Latzel, „daher sind wir auf eine der letzten Männerdomänen, den Beruf des Kraftfahrers, gekommen.“
Sabrina (14) und Rieke (15) überlegen noch, ob dieser Beruf tatsächlich der richtige für sie wäre. „Wenn man so etwas macht, sind einem Anerkennung und Respekt schon mal sicher“, glaubt Sabrina die Vorteile erkannt zu haben.
Mädchen und Jungen seien für diesen Beruf gleich gut geeignet, sie müssen sich nur trauen, sagt Jana Latzel. Die erste Hemmschwelle konnten die Mädchen am Brummi-Steuer schon mal überwinden. Dazu trug auch Anna Maihoff bei, Auszubildende im ersten Lehrjahr bei der Firma Dietrich Meyer. Derzeit arbeitet die 18-jährige Delmenhorsterin in der Werkstatt, kontrolliert Ölfilter und wechselt, falls nötig, das Öl aus. Nach dem Ende ihrer Ausbildung will die junge Frau dann in bis zu 680 Pferdestärken starke Gefährte steigen und etwas von der Welt sehen, ein wesentlicher Aspekt ihres Berufes, wie Anna Maihoff findet.
Umweltorientiertes Fahren
100 Ausbildungsplätze seien für August noch zu vergeben, wirbt Berufsschullehrer Holger Brätsch für die Ausbildung, in der „auch kaufmännisches Wissen, Zollbestimmungen und umweltorientiertes Fahren auf dem Lehrplan stehen“.
Bei der Bremer Feuerwehr ist der Girls Day ein Zukunftstag – auch für Jungen, die sich für den Beruf interessieren. Hoch hinaus geht es auf der Drehleiter mit Oberbrandmeister Frank Lüllmann – der Höhepunkt des Tages für die 22 jungen Besucher.
Auf der Wache 2 lernten sie alles übers Retten, Löschen, Schützen und Bergen. Während Isabel den Arbeitsplatz ihres Vaters genau unter die Lupe nimmt, zeigen sich Selei und Pina beeindruckt von den verschiedenen Feuerwehrautos.
