Bremen - Am Ende entlässt die Show viele Zuschauer ein kleines bisschen nachdenklich, vor allem aber auf besondere Weise mit positiver Energie aufgeladen aus dem Varietétheater in der Überseestadt: „Sombra“, aus dem Spanischen mit „Schatten“ übersetzt, heißt das neue GOP-Programm. Eines, das wichtige Sinnfragen stellt. Und Mut zuspricht, Veränderungen zu wagen.
Nikos Hippler macht vor schon vor der Premiere neugierig auf die „erste Tanzvarieté-Show“ des GOP: „,Sombra‘ hat nichts mehr mit dem klassischen Varieté zu tun, das man kennt“, so der Regisseur (GOP-Show „Impulse“, 2017), der das Programm gemeinsam mit Choreographin Svenja Krebeck und zehn Akteuren auf der Bühne auf die Beine gestellt hat. Um mit dabei zu sein, mussten alle Künstler eine Tanzausbildung oder zumindest ein „ausgeprägtes Tanztalent“ vorweisen können, wie er verrät.
Im Fokus von „Sombra“ steht die „ewige Dualität der Gegensätze, die sich anziehen“ (Hippler). Schatten und Licht – das Eine ohne das Andere? Undenkbar. „Und Glück kann man nur verstehen, wenn man auch die Traurigkeit kennt“, so der Regisseur. Gut und Böse, Schein und Sein. Eigens komponierte elektronische Musik und klassische Gitarrenklänge. Noch so ein Zusammenspiel der Gegensätze. Etwas, das dank des Gitarristen Wolfgang Stute an diesem Abend wunderbar zusammenpasst.
„Licht macht die Welt sichtbar, Schatten verleiht ihr die Tiefe“, heißt es in der Ankündigung zur Show. Damit spielt auch das Bühnenbild, eine große, weiße Wand aus Styroporwürfeln, über deren Oberfläche sich mittels der Kunstform des Video-Mapping Projektionen legen. Das Lichtdesign erweitert die Grenzen der Wahrnehmung, lässt den Betrachter glauben, die Würfel würden sich vor- und zurückbewegen. Gut gemacht.
Zeitgenössischer Tanz und Musik sind zentrale Komponenten der Show. Hinzu kommen die Nummern der einzelnen Künstler: Etwa die Handstandperformance der Französin Laura Picard, bei der beinahe alles verdreht ist. Der Japaner Akira Fukagawa begeistert mit seinen Diabolos. Und den LED-Pois, an je einer Schnur befestigte Stäbe mit LED-Technik, die an „Star Wars“ erinnern. Mit schnellen Bewegungen lässt er unglaubliche Bilder entstehen.
Publikumsliebling mit komödiantischem wie artistischem Können ist Mikail Karahan, Hamburger mit türkischen Wurzeln. Mit Tüll-Rock um dem Hals bringt er die Zuschauer beim Handballett ebenso zum Lachen wie mit seiner Nummer am mannshohen Cyr-Reifen. Nicht wenige mögen sich hier gefragt haben: Wer beherrscht hier eigentlich wen?
Am Boden und an den Strapaten, Bänder, die unter der Decke hängen, zeigen Luiza Vorontcova und Dmitrii Vinokurov als „Duo Spirit“ ihr akrobatisches Talent. Eine Performance, die sie eigens für die Bremer Show geschaffen haben.
Sinnlich und erstklassig der federleicht wirkende Tanz der Ukrainerin Helena Lehmann an der Vertikalstange. Gemeinsam mit der Mexikanerin Majo Cázares bildet Diego Salles aus Brasilien ein Duo, das mit seiner Tanzakrobatik überrascht und mit der eigenen Identität spielt. Salles ist zudem am Vertikaltuch und als Sänger zu erleben. Begleitet von Wolfgang Stute an der Gitarre lässt Rodrigo Gil seine Bälle tanzen. Die Jonglage des Spaniers kommt weniger spektakulär, dafür umso gefühlvoller daher.
Ausdrucksstarke Bilder, tiefgründige Worte der Off-Stimme („Dein Leben ist, was Deine Gedanken daraus machen. Versuch‘, das Schöne zu erkennen“) und exzellente Artistik – eine neue, bezaubernde Mischung auf der Bremer GOP-Bühne.
Zu sehen ist „Sombra“ bis zum 8. März jeweils mittwochs bis sonntags.
